Breitling leidet unter der Flaute im Luxussegment. Dennoch trimmen die Eigentümer einen der letzten grossen unabhängigen Schweizer Uhrenhersteller fit für die Börse.
Viele Baustellen: Breitling rüstet sich für den Gang an die Börse.
Konstantinos Tsakalidis / Bloomberg / Getty
Es war ein schwarzer Montag für Aktionäre der Schweizer Beteiligungsfirma Partners Group. Am Freitagabend notierte die Aktie noch bei 928 Franken. Am Montagabend war der Titel nur noch 850 Franken wert. Was war passiert?
Am Sonntag hat die britische «Financial Times» einen Artikel über die Grenchner Uhrenmarke Breitling publiziert. Partners Group besitzt die Mehrheit an Breitling, aber auch das luxemburgische Finanzunternehmen CVC ist massgeblich beteiligt.
Der Ton des Artikels war dramatisch: CVC und Partners Group seien sich nicht einig, wie es mit Breitling weitergehen solle. Die Erlöse von Breitling gingen zurück. Deshalb habe man die Bewertung des Unternehmens gegenüber 2023 halbieren müssen.
Da Breitling privat gehalten wird, lassen sich die Behauptungen nicht überprüfen. Der CEO Georges Kern und der Verwaltungsratspräsident Fredy Gantner, ein Partners-Group-Gründungsmitglied, wollen öffentlich keine Stellung nehmen.
Quellen, die dem Unternehmen nahestehen, sagen aber, dass diese Darstellung völlig übertrieben sei. Auch seien sich die beiden Hauptinvestoren – die Schweizer Partners Group und die luxemburgische CVC – in jeder Hinsicht einig in Sachen Strategie. Und die lautet: Breitling soll weiter investieren und wachsen.
Denn die Breitling-Besitzer haben ein grosses Ziel: die Uhrenmarke in den kommenden Jahren an die Börse zu bringen. Insider sprechen von 2028 oder 2029.
Das wäre für die Schweizer Uhrenbranche spektakulär. Denn diese ist verschwiegen und gibt nur ungern Geschäftsgeheimnisse preis. Die meisten Marken müssen das auch nicht. Entweder sind sie Teil eines grossen Unternehmens. Oder sie werden privat gehalten.
Rolex gewinnt, Breitling verliert
Doch vor einem Börsengang müsste Breitling maximale Transparenz herstellen. Und danach werden vierteljährliche Berichte über den Geschäftsgang notwendig. Und das in einer Branche, die dem konjunkturellen Wellengang ausgesetzt ist wie wenig andere: Brummt die Wirtschaft, gönnen sich die Menschen gerne teure Accessoires wie Uhren. Läuft es hingegen nicht so rund, wird dort als Erstes gespart.
Und in so einem Tal scheint sich die Uhrenbranche zu befinden. Nach dem Corona-Boom ist Breitling hart gelandet. Die Gewinne seien zurückgegangen, und somit auch die Bewertung, sagen Quellen. Allerdings nicht in der Grössenordnung, wie die «FT» schreibt. Von einer Halbierung könne keine Rede sein.
Die Wachstumsschwäche ist nicht ein alleiniges Breitling-, sondern eher ein Branchenproblem. Der Luxussektor kämpft seit längerem mit schwindenden Umsätzen. Die Kurse von Herstellern wie LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) oder Kering (unter anderem Gucci, Balenciaga, Brioni) haben allesamt gelitten. Das liegt auch daran, dass die Preise massiv angehoben wurden. Auch Breitling-Uhren sind teurer geworden und kosten heute im Schnitt 7500 Franken.
Doch es scheint, dass in wirtschaftlich unsicheren Zeiten nur die sicheren Werte profitieren. In der Uhrenbranche können derzeit einzig die absoluten Spitzenbrands zulegen, zumindest wenn man den Schätzungen des letzten Uhrenreports der Investmentbank Morgan Stanley sowie dem Beratungsunternehmen Luxeconsult Glauben schenkt: Rolex, Audemars Piguet oder Patek Philippe.
Breitling positioniert sich in der Kategorie darunter und steht in Konkurrenz mit Marken wie Omega aus dem Hause Swatch Group oder Tag Heuer, die zum französischen Luxusgiganten LVMH gehört. Sie büssten ebenfalls Umsatz ein. Bei Breitling sollen es letztes Jahr 3 Prozent gewesen sein, so der Report. Damit fiel Breitling auf Rang 9 der grössten Schweizer Uhrenmarken – mit geschätzten 155 000 verkauften Stück.
Laut NZZ-Informationen schreibt Breitling immer noch ansehnliche Gewinne, und auch der Cashflow ist positiv. Klar ist, dass Breitling mit rund 300 Boutiquen weltweit das derzeit maximal Mögliche in Sachen Direktverkauf herausgeholt hat. Viel mehr eigene Läden sollen nicht mehr dazukommen. Dafür will die Marke wieder vermehrt in den Grosshandel investieren, um über diesen Kanal für Wachstum zu sorgen.
Neue Marken lancieren
Überhaupt sieht sich Breitling eher auf der Überholspur denn – wie es die «Financial Times» darstellt – im Niedergang. In ihre Sichtbarkeit hat die Marke zuletzt viel investiert. Anfang Monat wurde die Zusammenarbeit mit dem Formel-1-Team Aston Martin vorgestellt. Das Logo prangt jetzt auf dem Rennanzug der Fahrer Fernando Alonso und Lance Stroll.
Vergangenes Jahr ging man zudem eine Kooperation mit der American-Football-Liga NFL ein. Jeder der 32 Mannschaften ist ein eigenes Modell gewidmet. In den USA läuft es Breitling derzeit denn auch gut – trotz den Trump-Zöllen. In lokaler Währung soll die Schweizer Uhrenmarke, die traditionell mit der Aviatik eng verbunden ist, zweistellig wachsen. Kopfweh macht der Wechselkurs: War der Dollar vor einem Jahr noch 90 Rappen wert, sind es jetzt noch 77 Rappen.
Auch in Sachen Preisniveau soll das Unternehmen breiter aufgestellt werden. Mit Gallet soll demnächst ein Einsteigerbrand lanciert werden. Die Uhren sollen ab 2500 Franken erhältlich sein. Zudem wird 2026 mit Universal Genève eine Marke neu belebt, die bei Sammlern nach wie vor sehr beliebt ist. Preislich soll sie sich über den Breitling-Uhren im Ultraluxus-Segment bewegen. Sämtliche bisher produzierten Modelle sind ausverkauft.
Letztlich soll die Marke Breitling so bekannt werden, dass sie über die Uhren hinaus trägt. Zum Beispiel in den Bereichen Gastwirtschaft und Events. In Genf betreibt Breitling bereits ein gehobenes Pub. Laut Insidern gibt es weitere Pläne für Projekte dieser Art. Die Firma hofft, dass sie mit Lizenzvergaben des Namens «Breitling», etwa für Immobilienprojekte, ein weiteres Standbein aufbauen kann.
Klar ist aber auch, dass die Uhrenmarke den richtigen Moment erwischen muss, wenn der Börsengang ein Erfolg werden soll. Derzeit ist dies nicht der Fall. Zu viele Projekte sind noch am Laufen, und zu instabil ist der konjunkturelle Ausblick.
Aber wenn es gelingt, wäre es der erste Börsengang einer Schweizer Konsummarke seit der Sportfirma On im Jahr 2021. Die Aufmerksamkeit dürfte gross sein. Und das dürfte dann auch die Aktionäre der Breitling-Mehrheitseignerin Partners Group wieder versöhnlich stimmen.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

