Die Vereinigten Staaten erklären die Mbaer Merchant Bank des Gründers Mike Bär zum Geldwäschereirisiko. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) entsendet einen Prüfbeauftragten in die Bank.
Die Vereinigten Staaten erklären Mbaer zu einem Geldwäschereirisiko.
Kevin Lamarque / Reuters
Das amerikanische Finanzministerium hat ein Machtwort gesprochen. Wegen Geschäften mit Russland und Iran will die US-Behörde die Zürcher Mbaer Merchant Bank aus dem amerikanischen Finanzsystem ausschliessen. Sie stuft sie als «primäres Risiko für Geldwäscherei» ein, wie es in einer Mitteilung heisst.
Eine entsprechende Massnahme der US-Geldwäschereibekämpfungseinheit (Fincen) ist derzeit in Vernehmlassung. Tritt sie in Kraft, dürfen amerikanische Banken keine Korrespondenzkonten für die Mbaer Merchant Bank eröffnen oder führen.
Die Bank soll laut dem amerikanischen Finanzminister Scott Bessent mehr als 100 Millionen Dollar für illegale Akteure, die mit Russland und Iran verbunden sind, durch das Finanzsystem der USA geschleust haben. Auf Anfrage der NZZ schreibt ein Sprecher der Bank: «Die Mbaer Merchant Bank AG nimmt die Mitteilung des Fincen zur Kenntnis und wird nach Rücksprache mit ihren US-Anwälten dazu Stellung nehmen.»

Mike Bär, Mbaer Merchant Bank.
PD
«Nationale Sicherheit der USA gefährdet»
Die Mbaer Merchant Bank ist eine relativ junge Bank. 2018 erhielt sie die Banklizenz in der Schweiz. Gegründet wurde sie von Mike Bär, dem Urenkel des Gründers der Privatbank Julius Bär. Mbaer ist vor allem im Bereich Unternehmens- und Handelsfinanzierung tätig und hat schon länger zahlreiche Kunden aus Osteuropa. Gemäss eigenen Angaben schrieb die Bank 2022 zum ersten Mal schwarze Zahlen.
Die USA erheben gleich auf mehreren Ebenen happige Vorwürfe gegenüber der Bank. Wer «Geldwäsche ermöglicht, illegale Finanzierung erleichtert und Sanktionshinterzieher unterstützt, ist eine erhebliche Bedrohung für die Finanzsysteme in den USA, der Schweiz und der ganzen Welt», sagt Callista Gingrich, die amerikanische Botschafterin in der Schweiz, in einer Aussendung.
Seit ihrer Gründung habe die Mbaer Merchant Bank Geldwäscherei und illegale Aktivitäten ermöglicht, schreibt das US-Finanzdepartement weiter. Es geht um Geldwäscherei in Russland und die Finanzierung von Terrorgruppen, die mit Iran verbunden seien, unter anderem die Revolutionswächter und ihre Kuds-Einheiten. Für eine Vielzahl von illegalen Akteuren sei Mbaer ein wichtiger Zugangspunkt zum Dollar. Das US-Finanzdepartement sieht dadurch die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten und die Integrität des Finanzsystems gefährdet.
Unter anderem soll Mbaer zwei Konten geführt haben, die von Wiktor Medwedtschuk kontrolliert wurden, einem ukrainischen Oligarchen mit engen Verbindungen zu Wladimir Putin. Medwedtschuk steht seit 2014 auf Sanktionslisten der USA. 2022 soll er zudem geplant haben, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine eine prorussische Regierung in Kiew zu errichten. Laut den Vereinigten Staaten soll mindestens eines der Konten noch aktiv gewesen sein, nachdem die Schweiz die Sanktionen gegen Russland übernommen hatte.
Mbaer klagt gegen die Finma
Die Finma ermittelt ebenfalls schon länger gegen Mbaer. Vor drei Wochen hat sie ein Verfahren gegen die Bank abgeschlossen. Dieses ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Mbaer hat dagegen vor Bundesgericht Beschwerde eingereicht.
Wie die Finma in einer Mitteilung schreibt, sei es der Aufsicht nicht möglich gewesen, wegen des Beschwerdeverfahrens eigene Massnahmen umzusetzen. Mittlerweile hat die Finma einen externen Prüfbeauftragten bei Mbaer eingesetzt.
Die Finma steht in Zusammenhang mit dem Fall in Kontakt mit den amerikanischen Behörden. Dem Vernehmen nach habe man sich bezüglich der heutigen Kommunikation zwischen den Behörden koordiniert.
Mbaer weist auf Anfrage darauf hin, dass die auf der Website der Finma publizierte Verfügung nicht rechtskräftig sei. Die Bank kooperiere weiter vollumfänglich mit den zuständigen Behörden und unterstütze die Tätigkeit des eingesetzten Prüfbeauftragten.
Das Geschäft will Mbaer im Rahmen des Möglichen weiterführen. Laut der Bank verfügt sie weiterhin über eine solide Kapital- und Liquiditätsbasis. Oberste Priorität habe das Interesse der Kunden sowie die Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

