David Ellison besiegt Netflix: Warner Brothers geht an Paramount


Der Streaming-Gigant verzichtet darauf, sein Angebot weiter zu erhöhen. Damit dürfte einer der traditionsreichsten Medienkonzerne Hollywoods an Paramount Skydance gehen.

Netflix gibt sich im Bieterkampf um Warner Brothers geschlagen.

Daniel Cole / Reuters

Die 325 Millionen Netflix-Abonnenten hatten sich zu früh gefreut. Sie werden auf ihrer Streaming-Plattform auch in Zukunft keine preisgekrönten HBO-Shows schauen können. An diesem Donnerstagabend hat der grösste Bieterkampf in Hollywoods Geschichte sein Ende gefunden: Warner Bros. Discovery (WBD), der Medienkonzern hinter «Game of Thrones», «The Sopranos» oder der «Harry Potter»-Filmreihe, wird nicht von Netflix gekauft.

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Das legendäre Filmstudio und sein Archiv gehen stattdessen wohl an Paramount Skydance – zusammen mit CNN und weiteren Fernsehsendern –, sofern die amerikanischen Regulatoren der Übernahme zustimmen. Der Paramount-Chef David Ellison, der Filmproduzent und Sohn des Oracle-Gründers und Multimilliardärs Larry Ellison, ist seinem Traum damit ein grosses Stück nähergekommen. Er ist auf gutem Weg, sich eines der grössten Medienimperien der Welt zusammenzukaufen.

Ellison liess nicht locker

Dabei war Warner kurz davor, an Netflix verkauft zu werden; die Unternehmen waren sich eigentlich schon seit vergangenem Dezember einig. Ellison hat aber über Monate erbittert dagegengehalten und am Dienstag ein nochmals verbessertes Angebot für WBD abgegeben. Paramount bietet 31 Dollar pro Aktie oder rund 78 Milliarden Dollar und wird zusätzlich die Schulden von Warner übernehmen.

Der Verwaltungsrat von WBD hat bis vor kurzem jegliche Avancen von Ellison abgewiesen und dem Netflix-Angebot den Vorzug gegeben. Am Donnerstag hat Warner dann aber mitgeteilt, dass man die neueste Offerte von Paramount als überlegen betrachte und Netflix vier Tage Zeit gegeben habe, seinerseits nachzulegen. Das wird der Streaming-Gigant nicht tun, wie er am Donnerstagabend mitgeteilt hat. Der «Deal» sei nicht länger finanziell attraktiv.

Während die Netflix-Kunden den HBO-Serien nachtrauern, fällt den Aktionären ein Stein vom Herzen. Die Aktie von Netflix sprang nachbörslich, als die Information bekanntwurde, um mehr als 10 Prozent in die Höhe. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Aktionäre des Streaminganbieters schon lange befürchtet hatten, Netflix drohe zu viel für Warner auf den Tisch zu legen. WBD hat gerade am Donnerstag seine eigenen Quartalszahlen präsentiert: Gewinn und Umsatz sind deutlich rückläufig.

Die Politik ist stets im Hintergrund

Mit dem Rückzug von Netflix endet einer der härtesten Bieterkämpfe der jüngeren amerikanischen Wirtschaftsgeschichte; ein Wettstreit, der auch eine stark politische Komponente aufwies. Donald Trump hatte im Dezember angekündigt, sich in die regulatorische Überprüfung der Übernahme einzumischen – ein höchst ungewöhnlicher Vorgang.

David und Larry Ellison waren im Lauf der vergangenen Monate mehrfach persönlich mit Trump in Kontakt, just an diesem Donnerstag machte auch der Netflix-Chef Ted Sarandos dem Präsidenten im Weissen Haus die Aufwartung.

Kritiker monieren, dass Paramount die Gunst des Weissen Hauses zu gewinnen suchte, indem es seinen eigenen Fernsehsender CBS auf eine konservativere, Trump-freundlichere Linie zu trimmen versucht. Und dass Ähnliches beim Sender CNN bevorstehen könnte, der zu WBD gehört. Der amerikanische Präsident hat sich in der Vergangenheit immer wieder über die kritische Berichterstattung von CBS und CNN ausgelassen. «Ich rede nicht mit CNN. Es ist Fake News», sagte Trump etwa am vergangenen Freitag an der Pressekonferenz zu seiner Zoll-Niederlage vor dem Supreme Court, als ihm eine CNN-Reporterin eine Frage stellen wollte.

Auch in Hollywood sind manche froh, dass Netflix das Rennen um WBD nicht gemacht hat. Der führende Streaming-Anbieter hätte mit der Übernahme von Warner im Filmgeschäft zweifellos eine enorm starke Stellung erhalten. Allerdings hätte Netflix CNN und die anderen Fernsehsender nicht gekauft.

Falls Paramount nun grünes Licht für die Übernahme erhält, liegt es an David Ellison, zu beweisen, dass CNN seine Unabhängigkeit und seine kritische Linie auch unter dem Dach von Paramount behalten kann. Die amerikanischen Medien werden jegliche Vorgänge beim Vorzeige-Nachrichtensender zweifellos mit Argusaugen verfolgen.


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