Mike Bär wollte mit seiner MBaer Merchant Bank das Banking neu erfinden. Tatsächlich hat er eine Geldwaschmaschine für Kunden aus Ländern geschaffen, die mit Sanktionen belegt sind.
Geldwaschmaschine für Kunden aus Ländern, die mit Sanktionen belegt sind: Das Debakel bei MBaer stellt den Finanzplatz in ein schlechtes Licht.
Michael Buholzer / Keystone
Mike Bär ist ein Langstreckenläufer. Mittags joggt er um das Zürcher Seebecken. Auch in diesen Tagen war Bär oft laufend anzutreffen am Mythenquai. Zwei Strassen dahinter hat seine Bank ihren Sitz, die MBaer Merchant Bank. Bär schien gut gelaunt und freundlich wie immer. Ein Bär hat auch beim Joggen Stil.
Doch vielleicht war die Lockerheit nur gespielt. Seine Bank befand sich seit Monaten im Visier der Finanzmarktaufsicht (Finma). Verstoss gegen die Geldwäschereivorschriften und Missachtung internationaler Sanktionen lauteten die Vorwürfe. Abgesehen von Finanz-Blogs interessierte das kaum jemanden. MBaer ist eine Mini-Bank mit weniger als 5 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen. Who cares?
Zum Beispiel den amerikanischen Finanzminister Scott Bessent. Am Donnerstag fuhr der Treasury-Chef das grosse Geschütz auf: «MBaer hat im Auftrag illegaler Akteure mit Verbindungen zu Iran und zu Russland über 100 Millionen Dollar durch das US-Finanzsystem geschleust», wurde Bessent in einer Mitteilung zitiert. Die amerikanische Behörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität (Fincen) stufte das Zürcher Bänklein als primäres Risiko für Geldwäscherei ein und leitete ein Verfahren ein, um sie vom US-Finanzsystem abzuschneiden.
Wegen der Finma-Verfahren zog MBaer bis vor das Bundesgericht. Doch die Amerikaner fackeln nicht lange mit renitenten Banken. Der angedrohte Ausschluss vom Dollarsystem war das Ende. «MBaer Merchant Bank AG in Liquidation» steht auf der Homepage.

Mike Bär, MBaer Merchant Bank
PD
Zuflucht für Kunden, die andere Banken abweisen
Dabei begann die Geschichte hoffnungsvoll. Im reifen Alter von 55 Jahren wurde Mike Bär 2015 zum Firmengründer. Der Spross der berühmten Bankiersdynastie in vierter Generation wollte es allen zeigen. Bär wollte zurück zu den Wurzeln des Finanzgeschäfts, dorthin, wo Geld etwas bewegt in der realen Welt: zum Firmenkundengeschäft, zur Finanzierung von Transaktionen, zu Übernahmen und Fusionen. Keine Private Bank, die den Reichen das Geld aus der Tasche zieht, sondern eine Merchant Bank. Und Bär wollte auch jene Kunden nehmen, die bei anderen Instituten abblitzen, weil ihre Geschäfte zu kompliziert sind und es kein Handbuch dafür gibt. Wenn er seine Kunden genug gut kenne, seien die Risiken überschaubar, sagte er einmal im Gespräch mit dieser Zeitung.
Er hätte sich besser ans Handbuch gehalten. Sei es aus Naivität oder aus Verzweiflung darüber, dass das Geschäft sonst nicht zum Laufen kam: MBaer ignorierte bei der Auswahl seiner Klientel jede rote Linie, die es gibt. Sie geschäftete mit Leuten aus Venezuela, Iran und Russland – und zwar hauptsächlich: Laut der Finma stammten 98 Prozent der verwalteten Gelder von solchen Kunden. Die Merchant Bank war letztlich eine Geldwaschmaschine für Kunden aus Ländern, die mit Sanktionen belegt sind.
Wie konnte sich Mike Bär derart verrennen? Bei seinen Läufen kann er sich Gedanken darüber machen. Zeit wird er genug haben dafür.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

