Das von Nick Hayek geführte Unternehmen hat 2025 weniger Umsatz erzielt und kaum noch Gewinn gemacht. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen einer Erholung – die Börse reagiert mit einem Kurssprung.
Die Swatch Group blickt auf ein schwieriges Jahr zurück.
Reuters
Die Swatch Group hat ein hartes Jahr hinter sich. Der Gewinn des Milliardenkonzerns schrumpfte auf magere 25 Millionen Franken. Fast der gesamte Betrag – 22 Millionen Franken – stammte aus der Minderheitsbeteiligung an der im Nahen Osten tätigen Juwelierkette Rivoli, nicht aus dem operativen Geschäft. Im Vorjahr hatte die Gruppe noch 219 Millionen Franken verdient, 2023 waren es knapp 890 Millionen gewesen.
An der Börse reagierten die Anleger dennoch positiv. Die Swatch-Aktien legten am Freitag um über 13 Prozent zu. Ausschlaggebend sind die Entwicklung der vergangenen Monate sowie der optimistische Ausblick des Konzernchefs Nick Hayek. Der globale Markt habe zum Jahresende in allen Preissegmenten deutlich an Schwung gewonnen, sagte Hayek der NZZ. «Mit derselben Dynamik sind wir ins Jahr 2026 gestartet.» Für 2026 erwartet er steigende Umsätze und eine spürbar bessere Profitabilität.
Starkes Geschäft in den USA trotz Trump-Zöllen
Optimistisch stimmt Hayek die in der wichtigen Absatzregion China beobachtete Markterholung. Dort war das Geschäft in der Vergangenheit stark geschrumpft. Im Schlussquartal 2025 sei China zumindest in Lokalwährung wieder zu Wachstum zurückgekehrt, sagte Hayek.
Hinzu kommt die starke Performance in Nordamerika. Trotz den vom US-Präsidenten Trump verhängten Strafzöllen kletterten die Umsätze währungsbereinigt um beinahe 20 Prozent in die Höhe.
Allerdings erwies sich der schwache Dollar als Spielverderber. Er verlor 2025 deutlich an Wert, von 90 Rappen Anfang des Jahres auf 80 Rappen Ende Dezember. Entsprechend fiel das Umsatzwachstum in Franken deutlich geringer aus.
Unter anderem wegen der negativen Währungseffekte (auch der Euro und der Yen schwächten sich gegenüber dem Franken erneut leicht ab), schrumpfte der Gruppenumsatz um 5,9 Prozent auf noch 6,3 Milliarden Franken. Dies, nachdem 2024 bereits ein Umsatzschwund von knapp 15 Prozent hatte verbucht werden müssen. Den höchsten Umsatz in seiner Geschichte verbuchte der Konzern vor mittlerweile elf Jahren: 2014 waren es 8,7 Milliarden Franken gewesen.
Hohe Kosten drücken den Gewinn
Ein Umsatzrückgang trifft den Gewinn umso härter, wenn ein Unternehmen die Kosten nicht oder nur begrenzt senkt. Nick Hayek verfolgt hier eine andere Strategie als viele Konkurrenten: Vor allem lehnt er konjunkturbedingte Entlassungen ab, selbst wenn Teile der Belegschaft nicht ausgelastet sind.
Auch auf Kurzarbeit und die damit einhergehende Entschädigung verzichtet Hayek. Er will die Mitarbeiter nicht nach Hause schicken, sondern flexibel einsetzen können, wie er sagt. «Viele Produktionsfirmen der Gruppe nutzen die Zeit, um Neues zu entwickeln – etwa neue Materialien und Prozesse.» Diese Innovationsarbeit führte zu Verlusten: In der Produktionssparte betrug das Minus laut Hayek rund 300 Millionen Franken.
Anzeichen für eine Wende
Für 2026 rechnet Hayek mit einem deutlichen Anstieg der Verkäufe. Selbst bei einem moderaten Wachstum von 1 bis 2 Prozent in China erwartet er insgesamt kräftige Zuwächse, denn «neben den USA entwickeln sich auch Europa, Indien und der Nahe Osten stark». Damit könnte die Produktion nach seiner Einschätzung wieder deutlich besser ausgelastet und profitabel werden und die Swatch Group zu einem Betriebsgewinn von 500 bis 700 Millionen Franken zurückkehren.
Das grösste Risiko sieht Hayek in einem Börsencrash in den USA, der den Konsum einbrechen lassen könnte. Zölle seien hingegen verkraftbar, und moderate Preiserhöhungen würden die Kunden akzeptieren. Der ganze Zollstreit habe auch seine positiven Seiten gehabt: Viele Amerikaner seien nun für das Label «Swiss made» sensibilisiert.
Der optimistische Ausblick ist ein Grund, weshalb die Swatch Group die Dividende unverändert lässt. Wie Hayek betont, geht es ihm aber auch darum, die Aktionäre – zu denen er selbst gehört – nicht dafür zu bestrafen, dass das Unternehmen bewusst auf Gewinn verzichtet, indem es weder Personal abbaut noch Kurzarbeit beantragt.
Druck auf den Verwaltungsrat
Wie zufrieden die Aktionäre mit Hayek und seiner Geschäftsführung sind, wird sich an der nächsten Generalversammlung zeigen. Ein aktivistischer Investor, der schon bei der letzten Versammlung auftrat, fordert erneut eine stärkere Vertretung der Inhaberaktionäre und einen mehrheitlich unabhängigen Verwaltungsrat (VR). Derzeit kontrolliert der sogenannte Hayek-Pool die Mehrheit im VR.
Noch ist unklar, wie die Swatch Group auf diese Forderungen reagiert. Hayek wollte dazu nicht Stellung nehmen. Es gilt als wahrscheinlich, dass Swatch selbst Vorschläge zur Erneuerung des Gremiums vorlegen wird. Viele Mitglieder sitzen seit über 15 Jahren im VR, der als überaltert gilt.
Die Uhr als politisches Statement
Hayek ist nicht der typische Uhrenverkäufer. Er steht zwar einem Uhrenkonzern vor. Wie er jedoch selbst sagt, interessiert er sich eigentlich nicht für Uhren im klassischen Sinne. Seine Lieblingsmarke Swatch ist für ihn denn auch «keine Uhr, sondern ein Lebensgefühl».
Entsprechend nutzt er die Marke gerne für politische und marketingwirksame Aktionen. Seine Kritik am Weltwirtschaftsforum in Davos brachte er jüngst mit einer Uhr zum Ausdruck, die von der Swatch-Software «AI-Dada» gestaltet worden war. Sie trägt den Schriftzug «Me, myself and I» – eine Anspielung auf Donald Trump – sowie das Motto des Forums: «Spirit of Dialogue». Im September hatte er bereits den 39-Prozent-Zollhammer mit einer Spezialedition auf die Schippe genommen.
Auch bei der MoonSwatch – einer Swatch im Design der berühmten Omega, die auf dem Mond war – ist ihm der Marketingeffekt mindestens so wichtig wie die Verkaufszahlen. Die neuste Edition der Uhr, die am 4. Dezember lanciert wurde, wird nur an Tagen verkauft, an denen es in der Schweiz schneit. Auf der Website der Marke können Kunden weltweit schauen, ob dies – wie heute – der Fall ist.
«Vor allem in Asien kommt diese Aktion gut an», sagte Hayek. In Japan gebe es sogar eine Radiostation, die neben der lokalen Wettervorhersage eine Schneeprognose für die Schweiz im Programm habe. In Südkorea habe ein TV-Sender das Thema ebenfalls aufgegriffen.
Das Wetter zeigte sich offenbar gnädiger, als man mit Blick auf den anhaltenden Schneemangel in Schweizer Skigebieten meinen könnte. «Bis Ende Dezember hatten wir 14 Tage mit Schneefall, im Januar waren es 17», sagte Hayek.

