Rückversicherer Swiss Re überrascht mit Rekordgewinn und höheren Aktienrückkäufen


Viele Anleger kaufen Swiss-Re-Aktien wegen der verlässlichen Ausschüttungen. Die Konzernführung will die Dividende durch gute Geschäfte sichern – und den lange als etwas behäbig geltenden Rückversicherer agiler machen.

Der Swiss-Re-Konzernchef Andreas Berger sieht Fortschritte bei der Neuausrichtung des Unternehmens.

Andreas Becker / AP

Die Aktien von Swiss Re haben am Freitag nach der Publikation der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr um 3,7 Prozent zugelegt. Der Rückversicherer will in diesem Jahr eigene Papiere im Volumen von bis zu 1,5 Milliarden Dollar zurückkaufen – ein dreimal so hoher Betrag wie zuvor in Aussicht gestellt. Dies überraschte die Börsenakteure positiv.

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Swiss Re hat zudem im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 4,8 Milliarden Dollar erzielt – den höchsten in der Firmengeschichte – und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Zusammen mit Munich Re ist das Unternehmen einer der beiden weltgrössten Rückversicherer.

Zudem schlägt die Konzernführung eine Erhöhung der Dividende um 9 Prozent auf 8 Dollar je Aktie vor, was am Finanzmarkt ebenfalls auf Anklang stiess. Für Schweizer Anleger bleibt indessen wegen der Wechselkursentwicklung ein Beigeschmack – denn die Dividende wird in Dollar gezahlt, und die amerikanische Währung hat gegenüber dem Franken im vergangenen Jahr stark nachgegeben.

Aktien von Swiss Re entwickeln sich besser

Seit dem Amtsantritt des Konzernchefs Andreas Berger im Juli 2024 haben die Titel von Swiss Re – Dividenden eingerechnet – um rund 26 Prozent zugelegt. Damit haben sie sich in diesem Zeitraum besser entwickelt als die Titel der Wettbewerber Munich Re und Hannover Re, denen sie lange hinterherhinkten.

Das Plus bei den Swiss-Re-Aktien dürfte nicht nur mit dem Aktienrückkaufprogramm zusammenhängen, sagte der Konzernchef Andreas Berger am Rande der Präsentation der Jahreszahlen im Gespräch. Ein Faktor sei auch, dass alle Massnahmen zur Stärkung der verschiedenen Geschäftsbereiche des Rückversicherers nun beendet seien. «Wir haben uns eine Position der Stabilität erarbeitet, das ist in unserem Geschäft sehr wichtig», sagt Berger.

Dies heisse auch, dass die Dividende gesichert sei – und Swiss Re sei schliesslich ein Titel, den viele Investoren wegen der verlässlichen Ausschüttungen kauften. Das Management des Rückversicherers hat in seinem Dreijahresplan ein jährliches Dividendenwachstum von 7 Prozent oder mehr je Aktie und pro Jahr versprochen.

«Swiss Re ist eines der ganz wenigen Unternehmen, die in ihrer Geschichte in jedem Jahr Dividenden bezahlt haben – in Kriegszeiten, während Corona, immer», sagt Berger. Das Gründungsjahr des Rückversicherers ist immerhin 1863. Die Kapitalkosten seien für ihn eine sehr wichtige Kennzahl – wenn ein Unternehmen verlässliche Ergebnisse liefere und Dividenden zahle, reduziere dies die Kosten für die Investoren, die Aktie zu halten. Swiss Re sei letztlich ein «Dividendentitel». Für die Konzernführung sei es sehr wichtig, die Dividende immer durch gute Geschäfte zu sichern.

Wenig von Naturkatastrophen betroffen im Jahr 2025

Wenn dies gelinge, gebe es allenfalls Möglichkeiten für höhere Aktienrückkäufe. Für das laufende Jahr sei die angekündigte Aufstockung des Programms auch deshalb möglich geworden, weil Swiss Re im vergangenen Jahr weniger stark von Naturkatastrophen betroffen gewesen sei als im Budget vorgesehen. Man dürfe nun aber nicht davon ausgehen, dass dies regelmässig der Fall sein werde, sagte Berger. «Möglicherweise war dies eine einmalige Geschichte.»

Berger soll den lange als etwas behäbig geltenden Rückversicherer agiler machen. In den Jahren 2017 bis 2022 hatte Swiss Re oft durchwachsene Geschäftszahlen vorgelegt. Berger hatte vor seiner Berufung an die Spitze von Swiss Re die Geschäftseinheit Corporate Solutions (Corso) geleitet und bei dem ehemaligen Sorgenkind des Konzerns das Ruder herumgerissen.

Bei der Neuausrichtung der Swiss-Re-Gruppe sieht Berger Fortschritte. Seit seinem Amtsantritt sei es darum gegangen, mehr Konsequenz in das Management und das ganze Unternehmen zu bringen, sagt er. Dazu gehöre auch, sich von Firmenbereichen zu trennen.

Als Beispiel nennt Berger den Rückzug aus dem digitalen Versicherer Iptiq. «Wir haben uns entschieden, Iptiq nicht weiterzuführen, weil wir nicht der beste Eigner für dieses Geschäft sind», sagt er. Swiss Re habe einen stärkeren Fokus auf Performance und eine stärkere Ergebnis- und Gewinnorientierung gebraucht.


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