Bucher ergeht es nicht besser als John Deere: Geschäfte mit US-Farmern laufen schlecht


Niedrige Getreidepreise und Zölle setzen Bauern in den USA zu. Vielen fehlt das Geld für neue Landmaschinen. Der Zürcher Industriekonzern Bucher streicht in den USA 200 Stellen.

Amerikanische Farmer bewirtschaften riesige Flächen. Immer mehr Betriebe müssen indes wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgeben.

Danny Johnston / AP

Mit amerikanischen Farmern lässt sich normalerweise viel Geld verdienen. In kaum einem anderen Land werden Bauernbetriebe so effizient wie in den USA geführt. Sie sind hochspezialisiert und beschränken sich in der Regel auf den Anbau von lediglich einem oder zwei Produkten. Zudem kommen sie trotz den riesigen Flächen, die sie bewirtschaften, mit wenigen Arbeitskräfte aus. Die amerikanische Landwirtschaft ist hochautomatisiert.

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Kein Wunder, stammt mit John Deere auch der grösste und rentabelste Traktorhersteller aus den Vereinigten Staaten. Doch der amerikanische Riese musste im vergangenen Geschäftsjahr zum zweiten Mal in Folge einen Umsatzeinbruch im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen. Auch seine Betriebsgewinnmarge ging abermals deutlich zurück: von über 18 auf 14,5 Prozent. 2023 hatte sie noch bei fast 22 Prozent gelegen.

Stark gestiegene Kosten in der Landwirtschaft

Der Konzern leidet darunter, dass amerikanische Bauern wegen der stark gefallenen Getreidepreise geringere Einnahmen erzielen. Ausserdem setzen ihnen höhere Kosten zu, weil sich vom Treibstoff über den Dünger bis hin zum Saatgut die Produktionsmittel deutlich verteuert haben. «Farmer aus den USA sind enorm unter Druck», sagt Jacques Sanche, der Chef des Schweizer Landmaschinenherstellers Bucher Industries.

Bucher präsentierte am Dienstag sein Geschäftsergebnis. Anders als John Deere stellt Bucher keine Traktoren her. Doch durch die Geschäftssparte Hydraulics spürt das Unternehmen eins zu eins, wie gut oder schlecht es beim amerikanischen Branchenriesen läuft.

John Deere gehört zu den Hauptabnehmern der hydraulischen Teile von Bucher. Darüber hinaus produziert der Zürcher Industriekonzern auch unter der eigenen Marke Kuhn Landmaschinen. Laut Schätzungen verdankt er über die Hälfte seines Umsatzes Geschäften mit der Landwirtschaft.

Der Konzernerlös von Bucher fiel 2025 nach einem ebenfalls bereits schwachen Vorjahr um 8 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken. Das Betriebsergebnis stieg im Verhältnis zum Umsatz von 9 auf 9,7 Prozent. Allerdings war diese Verbesserung einzig einem Gewinn von 43 Millionen Franken aus der Veräusserung eines Grundstücks am Stammsitz in Niederweningen zu verdanken. Ohne diesen Sondereffekt hätte die Ebit-Marge lediglich 8,2 Prozent betragen.

Wegen der schwachen Nachfrage aus den USA kämpfte das Unternehmen mit Überkapazitäten in seinen amerikanischen Produktionswerken. Die Konzernführung reagierte darauf mit einer deutlichen Verkleinerung der Belegschaft: Insgesamt wurden vergangenes Jahr in den Vereinigten Staaten 200 von 1200 Stellen abgebaut.

Ein weiterer Belastungsfaktor für Bucher war der Zollstreit. Ein Teil der Landmaschinen, die das Unternehmen in Amerika absetzt, wird in Europa produziert. Die meisten Abgaben, die beim Import in die USA anfallen, konnte der Konzern den Kunden noch nicht in Form von Preiserhöhungen weiterreichen. Dies soll nun im laufenden Jahr geschehen.

Wie sehr hilft US-Regierung Farmern finanziell?

Mit ihrer protektionistischen Handelspolitik hat die amerikanische Regierung auch die Farmer vergrault. Diese litten im vergangenen Jahr unter Gegenzöllen, die China auf den Import von Agrarprodukten verhängte. Die Volksrepublik ist für viele amerikanische Landwirtschaftsprodukte der grösste Abnehmer. Eine Abgabe von 13 Prozent auf Soja blieb bis heute bestehen und bevorteilt brasilianische gegenüber amerikanischen Landwirten.

US-Präsident Donald Trump versprach zwar, die leidgeprüften Farmer mit Hilfszahlungen zu unterstützen. Doch dann kam die Zwangsschliessung der amerikanischen Behörden im vergangenen November und Dezember dazwischen. Inzwischen fliessen laut dem Firmenchef von Bucher die Zahlungen. Wie viel davon tatsächlich bei den Bauern ankommen werde, müsse sich aber erst noch zeigen.

Wegen der finanziellen Schwierigkeiten vieler Betriebe rechnet Sanche mit einer beschleunigten Konsolidierung in der amerikanischen Landwirtschaft. Bucher drohen dadurch Kunden verlorenzugehen.

In Europa sind die Landwirte entspannter

Auch erwartet Bucher für 2026 noch keine Markterholung in den USA. Deutlich besser präsentiert sich die Lage in der europäischen Landwirtschaft. Bauern in Europa sind dank Subventionen weniger dem Preiszerfall auf dem Weltmarkt für Getreideprodukte ausgesetzt. Zudem profitieren viele Betriebe von der noch immer robusten Verfassung der Milch- und Fleischwirtschaft.

Anders als amerikanische Bauern seien europäische Landwirte wieder bereit, ihren Maschinenpark zu modernisieren, sagt Sanche. Auch John Deere ist mit Blick auf das laufende Jahr für Europa optimistischer gestimmt als für den Absatz in den USA.

Für Sanche, welcher der Konzernführung seit 2016 vorsteht, war es die letzte Bilanzmedienkonferenz bei Bucher. Der Manager wird, wie Bucher schon früher angekündigt hat, per 17. April die Geschäftsleitung an Matthias Kümmerle übergeben. Dieser leitete bis anhin die Sparte Emhart Glass, die auf die Herstellung von Maschinen für die Produktion von Glasflaschen spezialisiert ist. Wegen schwacher Nachfrage in den USA sah sich auch Kümmerle 2025 dort zu einer Restrukturierung veranlasst. Die dortige Produktion soll in ein grösseres Werk in Deutschland verlagert werden.

Überraschend wurde am Dienstag bekannt, dass Urs Kaufmann aus persönlichen Gründen das Präsidium abgeben wird. Er war dem Verwaltungsrat erst seit zwei Jahren vorgestanden. Die Nachfolge von Kaufmann soll Stefan Scheiber antreten, der seit neustem bereits das Aufsichtsgremium der Uzwiler Industriegruppe Bühler präsidiert.


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