Dan Caine, Brad Cooper, Eyal Zamir: Das US-israelische Triumvirat entwarf den Schlachtplan


Das israelisch-amerikanische Triumvirat gibt die Marschrichtung im Krieg vor. Mit dem tödlichen Schlag gegen Ayatollah Khamenei bewiesen die Offiziere ihre taktische Verschlagenheit.


Auch dank der tollkühnen Operation gegen Nicolás Maduro in Venezuela steht General Dan Caine bei Donald Trump hoch im Kurs.

Andrew Harnik / Getty

Dass der Militärschlag die Mullahs beim Frühstück überrascht habe, wie Donald Trump gegenüber Fox News sagte, ist zwar unwahrscheinlich. Schliesslich wird in Iran gerade Ramadan gefeiert, die Islamisten haben gewiss gefastet. Doch offensichtlich hatten Ayatollah Ali Khamenei und seine 48-köpfige Führungsriege, die am vergangenen Samstagmorgen getötet werden konnten, nicht mit dem Angriff gerechnet.

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Den israelischen und amerikanischen Kommandos war es gelungen, die Iraner zu düpieren. Dabei sollen auch ganz profane Ablenkungsmanöver zum Einsatz gekommen sein. So wurden laut dem israelischen Journalisten Amit Segal die israelischen Offiziere beim Hauptquartier der Armee, der Kirya in Tel Aviv, angewiesen, ihre Autos anderswo zu parkieren. Ein voller Parkplatz hätte für die Iraner darauf hindeuten können, dass etwas Grösseres im Gange war.

Eine Finte waren womöglich auch Satellitenbilder, die amerikanische F-22-Kampfflugzeuge auf dem südlichen Luftwaffenstützpunkt Ovda in Israel zeigten. Segal, dem als führender konservativer Berichterstatter ein guter Draht zur Netanyahu-Regierung nachgesagt wird, geht davon aus, dass die Bilder gezielt geleakt wurden, um die Aufmerksamkeit der Iraner auf die dortigen Ereignisse zu lenken. Gleichzeitig sei auf anderen Stützpunkten im Land der entscheidende Schlag vorbereitet worden.

Was genau dazu geführt hat, dass sich Khamenei fälschlicherweise in Sicherheit wiegte, wird sich nicht abschliessend sagen lassen. Doch wie auch immer, die taktische Verschlagenheit der Israeli und der Amerikaner hat den erfolgreichen Enthauptungsschlag ermöglicht.

Arbeitsteilung bei den Amerikanern

In einer «beispiellosen Zusammenarbeit» hätten die Streitkräfte der beiden Länder den Angriff auf Iran geplant, erklärte der israelische Generalstabschef Eyal Zamir wenige Stunden nach Beginn der von Israel als «Roaring Lion» und von den USA als «Epic Fury» bezeichneten Militäraktion. Während Monaten, so fügte er hinzu, habe er sich mit seinen amerikanischen Kollegen, General Dan Caine und Admiral Brad Cooper, über die Operation ausgetauscht.

Zamir, Caine und Cooper sind die Architekten hinter dem Schlachtplan. Als israelisch-amerikanisches Triumvirat geben sie die Marschrichtung vor.

Die Arbeitsteilung bei den Amerikanern ist klar: Caine, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, stellt die Schnittstelle zum Präsidenten dar. Der 57-Jährige behält die grösseren politischen Zusammenhänge im Blick. Cooper ist als Kommandeur des regionalen Zentralkommandos Centcom für die direkte Ausführung der Operationen vor Ort verantwortlich.

Trump hat ihn im vergangenen Sommer erst mit dem Posten betraut. Der Präsident soll von seiner aggressiven Haltung als Flottenkommandant bei der Bekämpfung der Huthi-Rebellen im Roten Meer beeindruckt gewesen sein. Im Nahen Osten gilt der 58-jährige Cooper, der seit über 35 Jahren bei der US Navy dient, auch wegen der von ihm geschaffenen Drohnen-Flotte (Task Force 59) als enorm einflussreich.

Bei dem von KI unterstützten Projekt patrouillieren über hundert Drohnen permanent in kritischen Zonen wie der Strasse von Hormuz oder dem Roten Meer und sichern den Amerikanern so eine Informationshoheit. Dank dieser können etwa die Piraterie gegen Handelsschiffe oder iranische Waffenlieferungen an die Huthi eingedämmt werden. Davon profitieren auch Staaten wie Saudiarabien, Bahrain und Jordanien. Entsprechend wird Cooper in der Region hofiert.

Beim Antrittsbesuch in Israel wurde er kurz nach seiner Ernennung von Eyal Zamir mit der Ehrengarde empfangen. Danach vertieften die beiden Männer den Austausch, Cooper war laut der «Jerusalem Post» in den vergangenen Monaten mehrfach im Hauptquartier Kirya in Tel Aviv anzutreffen.

Eyal Zamir (links) und Brad Cooper standen in den vergangenen Monaten in regem Austausch.

IDF via Reuters

«Filmstar» Dan Caine

Während der Admiral der direkte Ansprechpartner für die Israeli ist, sichert Dan Caine den Draht zu Trump. Der General steht nicht erst seit der tollkühnen Operation gegen Nicolás Maduro in Venezuela weit oben in der Gunst des Weissen Hauses. Der Präsident und Caine trafen sich erstmals Ende 2018 während Trumps erster Amtszeit auf der Militärbasis al-Asad im Irak. Schon damals zeigte sich Trump sehr angetan von dem Mann, der als stellvertretender Kommandeur einer Spezialeinheit den Kampf gegen den IS anführte.

Trump war beeindruckt, dass Caine offenbar in Aussicht stellte, die Islamisten in vier Wochen besiegen zu können, wenn ihm Washington freie Hand liesse. Zudem, so erinnerte sich Trump später an ihr Kennenlernen, habe der Kommandeur «besser ausgesehen als jeder Filmstar, den man hätte holen können».

Angeblich verfiel Trump Caine auch, weil dieser auf dem Stützpunkt im Irak eine Maga-Kappe getragen haben soll. Leute, die Caine kennen, halten dies jedoch für eine Legende. Laut dem Magazin «Air & Space Forces» galt Caine in seiner Zeit als Oberstleutnant der Luftwaffe bei seinen Kollegen als unideologisch. Auf seinen Aufstieg zum Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs angesprochen, erklärte ein Pilot: «Er wird nicht voreingenommen sein.»

Nach allem, was man weiss, redet er Trump tatsächlich nicht nach dem Mund. So soll er ihn auch unverblümt vor den Unwägbarkeiten eines Angriffs gegen Iran gewarnt haben. Die «New York Times» und die «Washington Post» berichteten wenige Tage vor dem Waffengang, Caine habe den Präsidenten deutlich auf die erheblichen Risiken eines Angriffs hingewiesen.

Trumps Pokerface

Weitläufig wurde dies so interpretiert, als rate der General eher von einem Militärschlag ab. Doch es ist denkbar, dass es sich dabei ebenfalls um ein Täuschungsmanöver gehandelt hat. So, wie die israelischen Offiziere in Tel Aviv ihre Autos umparkierten, blendete auch Donald Trump die Mullahs.

Nachdem der Präsident am vergangenen Freitag von Caine und Cooper über seine militärischen Optionen unterrichtet worden war, gab er laut Medienberichten noch am selben Nachmittag den Angriffsbefehl für den Samstagmorgen in Iran. Dann besuchte er eine Wahlkampfveranstaltung in Texas.

Er setzte ein Pokerface auf und redete gegenüber Reportern noch immer davon, mit Iran einen Deal machen zu wollen. Anschliessend liess er sich vor der Rückreise nach Florida noch publikumswirksam in einem Fast-Food-Lokal ablichten. Wenige Stunden bevor er den fastenden Khamenei mit dem Militärschlag überraschte, hatte er sich für den Flug in der Air Force One mit Hamburgern eingedeckt.




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