Iran-Krieg: gefälschte Satellitenbilder


Ein spektakuläres Vorher-nachher-Bild verspricht den Beweis: Es soll die Zerstörung einer Radarkuppel auf einem US-Militärstützpunkt in Katar zeigen. Doch eine Analyse zeigt: Das «Beweisfoto» ist ein Fake.

Oskar Kveton, Eike Hoppmann

Im Iran-Krieg wiederholt sich ein inzwischen altbekanntes Muster: Das Internet wird überschwemmt mit Bildern und Videos, die aktuelle Ereignisse in Konfliktgebieten zeigen sollen. So wie folgendes Beispiel, veröffentlicht von einem iranischen Medium auf der Plattform X:

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Die erste Falschbehauptung steckt schon im begleitenden Text. Auf der linken Seite des Bildes ist zwar eine echte Satellitenaufnahme zu sehen. Sie zeigt aber den Stützpunkt der Fünften Flotte der US Navy in Bahrain, nicht in Katar, wie es in dem Text heisst.

Rechts wird derselbe Bildausschnitt gezeigt, jedoch mit einer zerstörten Satellitenantenne. Die Darstellung soll den Zustand nach einem iranischen Angriff auf das Radom zeigen und die mutmasslichen Schäden an der Anlage dokumentieren.

Vergleicht man die Gebäude in beiden Bildern, zeigen sich deutliche Unstimmigkeiten. Am rechten unteren Bildrand fallen zum Beispiel drei zusätzliche Gebäudeteile auf dem Dach auf, die auf dem Vorher-Bild fehlen.

Im oberen Teil der Satellitenaufnahme sind zwei klar voneinander getrennte Gebäude zu erkennen. Im anderen Bild hingegen gehen beide Gebäude ineinander über, es fehlen zudem einige Ecken.

Autos liefern ein weiteres Indiz

Die Veränderungen an den Gebäuden wären vielleicht durch Bauarbeiten erklärbar. Dafür müssten die beiden Satellitenbilder mit einem grossen zeitlichen Abstand entstanden sein. Grundsätzlich ist das denkbar, zumal kein Datum bei den Aufnahmen angegeben ist.

Dagegen sprechen allerdings die Positionen zweier Fahrzeuge unterhalb des Radoms: Sie sind auf beiden Bildern exakt gleich. Bei parkierten Autos wäre eine völlig gleiche Position in zwei unterschiedlichen Satellitenaufnahmen sehr unwahrscheinlich. Der Baum zwischen den Fahrzeugen hat sich unterdessen auf dem rechten Bild in einen grün-braunen Fleck aufgelöst.

Solche Fehler sind typisch für KI-gestützte Bildgenerierung. Die künstliche Intelligenz kann Texturen von Zerstörung glaubhaft imitieren, missachtet aber oft architektonische oder inhaltliche Konsistenz. Als Grundlage für die Bildfälschung wurde die neuste Satellitenansicht von Google Earth genommen, die links zu sehen ist. Sie stammt vom 2. Oktober 2025. Die Aufnahme wurde dann mithilfe künstlicher Intelligenz verändert.

Falsches Bild, wahres Ereignis

Zwar entpuppt sich das rechte Bild als Fake. Der Angriff hat aber stattgefunden. Ein verifiziertes Video vom 28. Februar zeigt den Einschlag einer Drohne in das weisse Radom auf dem US-Navy-Stützpunkt in Manama, Bahrain.

Echte Satellitenaufnahmen vom Tag darauf zeigen, welche Schäden die Drohne wirklich angerichtet hat. Im Vergleich zu dem KI-generierten Bild fällt auf: Die Auflösung ist deutlich schlechter – dafür ist die Aufnahme aber echt.




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