Der Sportartikelhersteller On legt glänzende Zahlen vor. Doch die grössere Aufmerksamkeit bekommt das Gehalt des Firmenchefs Martin Hoffmann. Ist es so masslos, wie es scheint? Genau hinsehen lohnt sich.
Sportlicher Look, sportlicher Lohn: Der On-Chef Martin Hoffmann spricht an der New Yorker Börse über das Geschäftsergebnis.
Brendan Mcdermid / Reuters
On verkauft Laufschuhe an Menschen, die gerne schneller unterwegs sind als andere. Auch beim eigenen Wachstum hält sich das Unternehmen an diese Devise. Im vergangenen Jahr hat der Sportartikelhersteller aus Zürich erstmals mehr als 3 Milliarden Franken umgesetzt. Und beim Lohn des Chefs geht es ebenfalls anständig vorwärts.
Aus dem Zahlengewirr, das Jahresabschlüsse so mit sich bringen, sticht Martin Hoffmanns Gehalt hervor. Der 46-jährige Deutsche ist seit vergangenem Jahr alleiniger CEO und weiterhin auch CFO von On. Dafür erhielt er 2025 ein Lohnpaket von 9,8 Millionen Franken. Im Jahr davor waren es noch 4 Millionen. Man fragt sich: Gibt dieser Hoffmann Kurse für Lohnverhandlungen?
Entdeckt hat die Geschichte die «Handelszeitung», die Hoffmann daraufhin einen «kleinen Abzocker» und «veritablen Goldjungen» nannte. Andere Medien sprangen auf. Die Episode zeigt einmal mehr: Managerlöhne bewegen die Schweiz zuverlässig. Unvergessen bleibt der kollektive Aufschrei aus dem Jahr 2002, als der UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel ein Einkommen von 12,5 Millionen Franken offenlegte. Nach heutigen Massstäben wirkt das fast schon mickrig: Der Novartis-Chef Vas Narasimhan strich eben erst 25 Millionen Franken ein.
Auch Hoffmanns Lohn relativiert sich bei genauerem Hinsehen. Bei fünf Millionen Franken handelt es sich nämlich um eine einmalige, leistungsabhängige Sondervergütung, die Teil eines auf mehrere Jahre ausgelegten Anreizprogramms ist. Ausbezahlt wurde sie in Aktien anlässlich seiner Beförderung zum alleinigen CEO.
Damit gehört Hoffmann zu den bessergestellten Chefs in der Sportartikelindustrie. Björn Gulden, der CEO von Adidas, erhielt 2024 etwas mehr als 7 Millionen Euro. Der Asics-Chef Yasuhito Hirota musste sich mit weniger als 2 Millionen zufriedengeben.
Doch da sind eben noch die Aktionärinnen und Aktionäre, die bestimmt auch gerne am Erfolg von On teilhaben würden. Aber das Unternehmen, das an der New Yorker Börse gelistet ist, zahlt keine Dividenden und kauft keine Aktien zurück. Deren Kurs liegt ausserdem 17 Prozent unter dem Vorjahr. Anders als Hoffmann haben die Investoren den Slogan der Firma wohl wörtlich zu nehmen. «Dream On!»
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

