Der Erdölmarkt reagiert nervös auf die Eskalation im Nahen Osten. Neue Angriffe auf Schiffe und die Schliessung wichtiger Terminals in der Region treiben die Preise nach oben.
Erdöl und damit auch Benzin verteuern sich aufgrund des Iran-Krieges.
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Die Nervosität und Volatilität am Erdölmarkt bleibt gross. So ist der Preis für Erdöl der Nordsee-Sorte Brent in der Nacht auf Donnerstag um zeitweise 10 Prozent auf über 100 Dollar pro Fass gestiegen. Auch die Notierungen der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) näherten sich mit knapp 96 Dollar der 100-Dollar-Schwelle, nachdem sie zuvor in Erwartung staatlicher Gegenmassnahmen nachgegeben hatten..
Zwei Öltanker und ein Containerschiff angegriffen
Der Grund für die jüngsten Preisausschläge: Laut dem britischen Maritime Trade Operations Centre sind am Donnerstagmorgen Ortszeit drei Schiffe im Golf angegriffen worden. So trafen Geschosse zwei Öltanker südlich von Basra im Irak; an Bord der Schiffe brach ein Feuer aus, und die Besatzung musste evakuiert werden. Das eine Schiff war amerikanischer Herkunft, das andere war in griechischem Besitz. Angegriffen wurde zudem ein Containerschiff.
Die Angriffe spiegeln die anhaltend angespannte Lage an der Strasse von Hormuz. Die Eskalation dürfte, so die Einschätzung am Markt, für absehbare Zeit sämtliche Versuche zum Erliegen bringen, die Meerenge trotz hoher Risiken zu passieren. Wie die Zeitung «Financial Times» berichtet, sollen gemäss Daten zum Schiffsverkehr selbst Schiffe aus China, deren Führung den Iran-Krieg stets kritisiert hat, aus Angst vor Angriffen umgekehrt haben.
Ebenfalls preistreibend wirkt der Entscheid des Sultanats Oman, vorsichtshalber alle eigenen Schiffe aus Mina al Fahal abzuziehen. Dem dortigen Terminal kommt strategisch hohe Bedeutung zu. So liegt er ausserhalb der gefährlichen Meerenge von Hormuz und gehörte bisher zu den wenigen Häfen, über die Erdöl noch halbwegs sicher aus der Golfregion verschifft werden konnte. Grund für den Abzug der Schiffe sind Drohnenangriffe vom Vortag auf andere Häfen des Staates.
Die Freigabe von Reserven verpufft
Zuvor hatte auch der Irak eigene Ölterminals stillgelegt, nachdem der Erdölexport massiv beeinträchtigt wurde und Schiffe ins Visier geraten waren. Die Massnahmen sowohl in Oman als auch im Irak zeigen, wie sehr die militärische Eskalation inzwischen zentrale Logistikketten der Ölindustrie bedroht. So ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge seit Kriegsausbruch nahezu zum Erliegen gekommen.
Wer gestern noch gehofft hat, die Freigabe strategischer Notfallreserven im Umfang von 400 Millionen Fass Rohöl durch die Internationale Energieagentur führe zu einer Beruhigung der Marktlage, sieht sich einen Tag später eines Besseren belehrt. So scheint der preisdämpfende Effekt der angekündigten Gegenmassnahme der 32 Mitgliedländer umfassenden Organisation rasch verpufft zu sein.
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