Der Iran-Krieg verändert das Machtgefüge im Nahen Osten – die wichtigsten Akteure


Das Regime in Teheran strebte mit einem Netz von Verbündeten die Vernichtung Israels an. Jetzt droht der Islamischen Republik die Isolation. Die Türkei könnte von der Lage profitieren.


Israel war von Verbündeten des Regimes in Teheran umzingelt: Im Norden sassen die Hizbullah-Milizen in ihren Bunkern, von Süden her schickten die Huthi ihre Drohnen, und mittendrin, in Gaza, plante die Hamas ihr Verbrechen vom 7. Oktober 2023. Die Islamische Republik trieb den Bau einer Atombombe voran.

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Diese existenzielle Bedrohung will Israel Schritt für Schritt ausschalten: zuerst mit den gezielten Tötungen der Hizbullah- und der Hamas-Führer, dann im vergangenen Juni mit einem ersten, direkten Angriff auf das Regime selbst. Die israelisch-amerikanische Kampagne dürfte der Versuch sein, die Islamische Republik endgültig zu zerschlagen. Teheran schlägt zurück.

Der Krieg verändert das komplexe Beziehungsgeflecht innerhalb der Region – und auch die Verbindungen der Grossmächte zu den einzelnen Akteuren. Wer verfolgt welche Interessen? Was heisst das für die Eskalationsdynamik? Wer wird in den Krieg hineingezogen, wer nicht?

Mögliche Anhaltspunkte gibt eine Systemanalyse dazu, in welchem Verhältnis die einzelnen Staaten und Gruppierungen zueinander stehen – und vor allem, wie sie sich nun gegenüber Iran positioniert haben.

Die Kurden als Bodentruppen gegen die Islamische Republik –
Gefahr eines Bürgerkriegs mit regionalen Auswirkungen

Die USA versuchen laut einem Artikel der «Washington Post», die Kurden für den Kampf gegen das Regime in Teheran zu mobilisieren. Diese Woche habe die Regierung in Washington Gespräche mit den Chefs der einzelnen Gruppierungen geführt. CNN berichtet, die CIA sei dabei, kurdische Kräfte zu bewaffnen und auszubilden. Diese stellten sich dem Regime bereits in der Vergangenheit entgegen – letztmals bei den Protesten im Januar.

Die autonome Kurdenregion (KRG) mit dem Drehkreuz Erbil könnte als Bereitschaftsraum dienen. Hier könnten sich die Kämpfer bewaffnen, sich vorbereiten und dann – allenfalls mit Unterstützung nordirakischer Gruppen – über die Grenze nach Iran infiltrieren. Die Kurden würden so als Bodentruppen in die israelisch-amerikanische Kampagne integriert. Dieses Vorgehen hat sich bereits im Kampf gegen den IS in Syrien oder im Kosovo-Krieg 1999 bewährt.

Die verschiedenen kurdischen Fraktionen, die über vier Länder verteilt leben, verfolgen allerdings unterschiedliche Interessen:

  • Iran: Die Kurden machen etwa 10 Prozent der iranischen Gesamtbevölkerung aus. Ihre älteste und bedeutendste Organisation ist die Demokratische Partei Kurdistans in Iran (PDKI). Washington hat laut Medienberichten mit dem Präsidenten der PDKI, Mustafa Hijri, telefoniert. Er lebt im Exil in Nordirak. Militärische Aktivitäten sind der Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK) zuzutrauen, die 2011 einen Waffenstillstand mit der Regierung in Teheran schloss, der aber mehrfach gebrochen wurde. Die Organisation verfügt entlang der Grenze zum Irak über Tausende von Kämpfern. Bereits heute werden sie im Nordirak ausgebildet und trainiert. Die iranischen Revolutionswächter sollen die PJAK bereits mit Drohnen angreifen.
  • Irak: Seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 entwickelte sich im Nordirak eine autonome Kurdenregion, die über eigene Vertretungen im Ausland verfügt. Die Regierung (KRG) des Quasistaats ist unter zwei Parteien aufgeteilt: Die Demokratische Partei Kurdistans (KDP) gilt als näher an der Türkei, die Patriotische Union Kurdistans (PUK) als näher an Iran, auch wenn beide pragmatisch mit mehreren Seiten kooperieren. Die Beziehung zwischen den beiden Parteien ist angespannt, was eine Einflussnahme von externen Akteuren erleichtert.
  • Syrien: Während des syrischen Bürgerkriegs (2011 bis 2024) erkämpften sich die Kurden unter der Führung der Einheiten zur Befreiung des Volkes (YPG) einen Staat im Staat, der aber nach dem Sturz des Diktators Asad im Dezember 2024 sukzessive zerschlagen wurde. Die Türkei, die den islamistischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa unterstützt, lehnt jede kurdische Autonomie an ihrer Grenze strikt ab und hat mehrfach militärisch in Syrien interveniert.
  • Türkei: Ab 1984 befand sich Ankara in einem bewaffneten Konflikt mit der linksgerichteten kurdischen Arbeiterpartei (PKK), die von den Kandil-Bergen aus einen eigenen Staat erkämpfen wollte. Abdullah Öcalan, der von seinen Anhängern fast kultisch verehrte PKK-Führer, befindet sich seit 1999 in türkischer Haft. Vor einem Jahr befahl er die Auflösung der Partei. Die Türkei versucht den kurdischen Einfluss möglichst kleinzuhalten.

Ankara dürfte die Pläne Washingtons, die Kurden gegen die Islamische Republik zu mobilisieren, mit Skepsis verfolgen. Sowohl die iranische PJAK als auch die syrische YPG sind Ableger der PKK. Ein koordinierter Aufstand in Iran könnte die Idee eines gemeinsamen Staates neu beleben und damit auch den kurdischen Widerstand in der Türkei wieder entflammen. In der Vergangenheit gab es ein türkisch-iranisches Sicherheitsabkommen, um den Einfluss der PKK einzudämmen – trotz aller Konkurrenz der beiden Länder um die regionale Vorherrschaft.

Gefahr eines Bürgerkriegs

Der iranische Präsident Masud Pezeshkian ruft die iranischen Kurden zur Einheit auf: «Ich zolle dem mutigen und ehrenhaften Volk Kurdistans, das in diesen historischen Tagen an der Seite Irans gestanden hat, meinen Respekt», schreibt er – und mahnt gleichzeitig: «Der Gouverneur und die für die Sicherheit zuständigen Streitkräfte sind verpflichtet, entschieden gegen jede separatistische Bewegung vorzugehen.»

Die Mehrheit der Iraner sind Perser. Neben den Kurden gibt es auch eine arabische, eine Türkisch sprechende aserische, eine turkmenische und eine armenische Minderheit, der auch Präsident Pezeshkian angehört. An der Grenze zu Pakistan leben zudem die Belutschen, deren salafistische Separatisten sich neu zur iranischen Opposition zählen.

Der Widerstand ist allerdings ethnisch, religiös und auch politisch fragmentiert. In der Diaspora wird eine Rückkehr von Reza Pahlevi, dem Sohn des 1979 gestürzten Schahs, diskutiert. Zudem publizierten die Volksmujahedin (Mojahedin-e Khalq, MEK) ein Video eines Anschlags auf eine Institution des Regimes. Die MEK sind eine antiklerikale, schiitische Sekte, die lange zu den aktivsten Oppositionsgruppen gehörte.

Ein Kurdenaufstand könnte die Macht des Regimes in Teheran tatsächlich gefährden, gleichzeitig aber die zentrifugalen Kräfte im Land aktivieren. Im schlimmsten Fall droht ein Bürgerkrieg zwischen den kurdischen Gruppen und den Revolutionswächtern – mit Auswirkungen auf die gesamte Region.

Die «Achse der Autokraten» kann die Islamische Republik nicht retten –
die Türkei festigt ihren Einfluss

Russland etablierte sich im syrischen Bürgerkrieg vorübergehend als Machtfaktor im Nahen Osten. Moskau hielt mit brutalen Militäreinsätzen den Diktator Asad im Amt, der sich gleichzeitig auf die Unterstützung des Regimes in Teheran verlassen konnte.

Die lose strategische Achse zwischen Russland und Iran wird vor allem von gemeinsamen Interessen getrieben – etwa bei der Umgehung von Sanktionen. Zunächst sah der Kreml eine Möglichkeit, seinen Status als Grossmacht wiederherzustellen, und nutzte die Formel des «Widerstands gegen die westliche Dominanz» als gemeinsamen Nenner der Kooperation.

Im Ukraine-Krieg wurden Teheran und Moskau zu engen Partnern in der Drohnenproduktion: Russland setzte iranische Shahed-Drohnen gegen die ukrainische Infrastruktur ein – und liefert jetzt den Revolutionswächtern Geran-Drohnen, die russische Weiterentwicklung der Shahed. Mehr als verbale Protestnoten bleibt dem Kreml allerdings nicht übrig, um das Regime im gegenwärtigen Krieg zu unterstützen. Russland scheinen die guten Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump wichtiger zu sein.

Die «Achse der Autokraten» – Russland, China, Iran, Nordkorea und Venezuela – verliert an Schlagkraft. Ausgerechnet Präsident Trump, der als Anti-Interventionist angetreten ist, sorgt zusammen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu dafür, dass sich die Position der westlichen Staaten vorerst durchsetzen kann: zwar nicht auf der Basis der liberalen Werte, aber doch machtpolitisch.

Zu den längerfristigen Gewinnern dürfte aber trotzdem China gehören: Fällt Iran als Erdöllieferant aus, wird Russland dankbar mehr Öl an die Chinesen liefern und so noch stärker in die Abhängigkeit Pekings geraten. Zudem verschiessen die USA einen Teil ihres militärischen Potenzials im Nahen Osten, das dann bei einem Konflikt im Pazifik fehlen könnte. China wartet ab. Das chinesische Aussenministerium klingt deshalb fast wie die Schweiz, wenn es die israelisch-amerikanischen Angriffe zwar verurteilt, aber vor allem eine «Rückkehr zum Dialog» fordert.

Auch die Türkei könnte, falls die Kurdenfrage nicht ausser Kontrolle gerät, vom Ausgang des Kriegs profitieren: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verhält sich im gegenwärtigen Krieg auffällig neutral. Seit aber Israel Iran und seine Verbündeten zurückdrängt, hat die Türkei ihre Position insbesondere in Syrien gestärkt.

Ankara sorgte für den Sturz Asads und dafür, dass sich die militärische Präsenz Russlands im Nahen Osten unterdessen auf ein Minimum beschränkt. Der Kreml hat seine Stützpunkte an der syrischen Mittelmeerküste zwar noch nicht ganz aufgegeben, kann diese aber nicht mehr als operative Drehscheiben nutzen.

Während die Türkei auf den Beschuss ihres Territoriums durch iranische Lenkwaffen ostentativ zurückhaltend reagiert, geht Aserbaidschan, das auch mit Israel verbündet ist, in die Offensive – offensichtlich mit der stillen Unterstützung Ankaras.

Am Mittwoch wurde der Flughafen in der Heimatregion des Machthabers Ilham Alijew von einer Drohne getroffen. Das Regime in Teheran bestreitet den Angriff, Baku lässt aber keinen Zweifel daran, dass die Revolutionswächter einen «Akt des Terrors und der Aggression» gegen Aserbaidschan begangen hätten. Alijew instruierte die Armee, «angemessene Vergeltungsschläge vorzubereiten und durchzuführen», wie er beim Kurznachrichtendienst X schreibt.

Aserbaidschan hat mit türkischer Unterstützung zwischen 2020 und 2025 mit militärischen Mitteln Armenien die Region Nagorni Karabach entrissen. Trump hat einen Frieden vermittelt und unterstützt den Ausbau eines Landkorridors zwischen der Türkei und Zentralasien. Ankara nutzt die Dynamik, um die «türkische Seidenstrasse» als Alternative zur chinesischen Belt-and-Road-Initiative zu stärken.

Die Türkei festigt ihren Einfluss als regionale Grossmacht: nicht nur im Nahen Osten, sondern auch im Kaukasus, im Westbalkan und im Schwarzen Meer. Russland dürfte diese Verschiebung missfallen.

Die Golfstaaten rücken näher zusammen – aber einig sind sie nicht

Die Islamische Republik hat gleich zu Beginn der israelisch-amerikanischen Kampagne auch sämtliche Staaten des Golf-Kooperationsrats mit Drohnen und ballistischen Raketen angegriffen. Die Islamische Republik scheint die Vereinigten Arabischen Emirate für die Abkommen mit Israel bestrafen zu wollen, die übrigen Nachbarn am Golf für die amerikanische Militärpräsenz.

Die grösste amerikanische Basis befindet sich in Katar. Das Central Command, das für die Operation «Epic Fury» verantwortlich ist, hat hier einen Kommandoposten, ausserdem die 5. Flotte. Weitere Stützpunkte befinden sich in Bahrain, Kuwait, Saudiarabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Luftverteidigung funktioniert weitgehend, dennoch kratzen die Bilder von Rauchsäulen aus Dubai am Selbstverständnis als sicherer Hafen. Es stellt sich die Frage, ob die Ausweitung des Kriegs das Businessmodell der Emirate gefährdet, das auf Touristen und Investoren setzt. 90 Prozent der Bevölkerung sind Ausländer. Der Flughafen von Dubai ist zu einer Drehscheibe zwischen den USA, Europa und Asien geworden.

In Bahrain spitzt sich derweil die interne Situation zu. In den letzten Tagen kam es zu Unruhen und Zusammenstössen zwischen proiranischen Demonstranten und den Sicherheitskräften. Die mehrheitlich schiitische Bevölkerung wird von einem sunnitischen Königshaus in einem teilweise Schiiten-feindlichen Umfeld regiert. 2011 wurden die Proteste mit Gewalt niedergeschlagen.

Gegenwärtig rücken die Golfstaaten eher zusammen, auch wenn nicht alle Positionen eindeutig sind und unter der Oberfläche Vieles im Fluss ist. Saudiarabien und die Emirate haben ihren jüngsten Konflikt mindestens überbrückt. Das Regime in Teheran will die Kosten des Kriegs allerdings in die Höhe treiben und damit Druck auf die Vereinigten Staaten ausüben. Die Angriffe sollen den Erdölhandel und den Tourismus zum Stillstand bringen. Je nach Dauer der israelisch-amerikanischen Kampagne könnte einer der Golfstaaten die Einheit aufbrechen und sich für einen Waffenstillstand einsetzen.

Israel eliminiert die frühere «Achse des Widerstands» – mindestens für Libanon ist das eine Chance

Die «Achse des Widerstands» war ein Mittel Teherans, die Macht der Islamischen Republik auf den gesamten Nahen Osten auszudehnen. Bereits während seiner ersten Präsidentschaft liess Präsident Trump 2020 den Architekten dieser Allianz, den Revolutionswächter-General Kassem Soleimani, mit einem Drohnenangriff auf dem Flughafen von Bagdad töten.

Doch erst die israelische Reaktion auf das Pogrom der Hamas gegen die jüdische Zivilbevölkerung in Südisrael im Oktober 2023 vermochte die iranischen Terrormilizen zurückzudrängen:

  • Hizbullah: Die schiitische «Partei Gottes» in Libanon erklärte nach der Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Khamenei, in den Krieg einzutreten. Israel besetzte Stützpunkte im Süden des Landes und intensivierte die Luftangriffe auf Beirut. Die Bevölkerung in den schiitischen Vororten der libanesischen Hauptstadt wurde aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Die Regierung Libanons versucht seit Monaten, den Hizbullah zu entwaffnen. Eine erste Phase gilt als abgeschlossen. Möglich ist eine israelische Bodenoffensive. Erste Verbände haben bereits die Grenze überschritten. In den vergangenen Tagen hat Israel weitere Soldaten mobilisiert und im Norden des Landes zusammengezogen.
  • Hamas: Die Terrorgruppe, die noch immer den Gazastreifen beherrscht, hat den Tod Khameneis zwar betrauert, aber keine Angriffe auf Israel angekündigt. Die Hamas scheint mit dem Machterhalt beschäftigt zu sein.
  • Huthi: Die wohl noch stärkste Kraft der «Achse des Widerstands» hält sich vorerst zurück. Die Miliz beherrscht seit 2014 den Westen Jemens, inklusive der Hauptstadt Sanaa. Eine saudiarabische Intervention hat die Teilung des Landes eher noch verstärkt. Die Huthi störten wiederholt den Schiffsverkehr im Roten Meer mit Angriffen auf Handelsschiffe. Die Huthi dürften versuchen, sich der israelisch-amerikanischen Kampagne zu entziehen und so die eigene Macht in Jemen zu sichern.
  • Islamischer Widerstand im Irak: Der irakischen Regierung gelang es in der Vergangenheit, den iranischen Einfluss zu schwächen. Der neue Krieg erschüttert das fragile Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten erneut. Zum einen gehen die Unterstützer der Islamischen Republik auf die Strassen, zum andern führen proiranische Milizen Drohnenangriffe durch. So hat sich die Gruppe Saraya Awliya al-Dam zu einer Attacke auf die amerikanische Militärbasis in Erbil bekannt.

Genauso wie das Regime in Teheran weiterhin ums Überleben kämpft, bleibt auch eine geschwächte «Achse des Widerstands» ein Unruhefaktor. Möglich ist eine Zunahme von Terroranschlägen auch in Europa. Das iranische Regime hat mithilfe seiner Vasallen feine Fäden in den Westen gesponnen und nutzt radikale Elemente der Klimabewegung zur Agitation gegen Israel und die USA.

Insgesamt dürften die verschiedenen Terrorgruppen ohne die Waffen und die finanzielle Unterstützung der Islamischen Republik zu den Verlierern des Kriegs gehören. Besonders Libanon könnte davon profitieren und sich vom Hizbullah, der einen Staat im Staat bildete, befreien. Ob dann sogar ein Frieden mit Israel möglich ist, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen.

Vom Nahen Osten in den Pazifik – Europa ist bloss die logistische Drehscheibe

Die Systemanalyse zeigt, dass die Regionalmächte vom Krieg profitieren könnten: Israel, das als Kleinstaat die Region militärisch dominiert, die Türkei, aber auch Aserbaidschan. Saudiarabien dürfte unter Druck geraten, sich zu positionieren. Ein Alleingang dürfte nach diesem Krieg kaum mehr möglich sein.

Doch die Entscheidung über die künftige Sicherheitsordnung fällt nicht im Nahen Osten. Die USA werden trotz ihrer Machtdemonstration an der Seite Israels keine monopolare Weltordnung wiederherstellen können. Dazu hat Washington seine militärischen Mittel überdehnt. Europa übernimmt die Rolle einer logistischen Drehscheibe und engagiert sich zaghaft als Hilfstruppe.

Immerhin könnte das die transatlantische Brücke stärken. Trump ist auf die Europäer angewiesen. Er wird aber weiter auf einen raschen und tendenziell unwürdigen Frieden in der Ukraine drängen, was Russland entlasten und die Bedrohung Europas erhöhen würde. Die USA brauchen ihre Militärmacht dringend im Pazifik – ausser es gelingt ein Deal mit China.

Sehr gute, ausfürhliche Amalyse der Situation heute.
Es ist auch gut, dass die Autoren darauf hinweisen, das die USA auch in diesem Krieg unter anderem von Europa abhängig sind. Ohne logistische Zentren, ohne Ramstein z.B. und Häfen in Europa könnten sie die Aktionen gegen Iran kaum durchführen. Das sollte man Trump genügend deutlich vermitteln.
Wird es Fairness gegenüber den Kurden geben? Wohl kaum. Sie werden wohl einmal mehr Mittel zum Zweck für die USA und die Länder, in denen sie als Minderheit wohnen, sein.
An sich zeigen diese Endlos-Kriege im Nahen Osten, wie wichitg es wäre, dass jedes Volk seinen eigenen Staat hat. Und das alle sich gegenseitig endlich einmal anerkennen, ihre absurde Machtpolitik beenden und fair im Frieden miteinander leben.
Diese Kriege sind Versuche einer Nur-Machtpolitik nur die eigenen Interessen durchzusetzen, gegen alle Vernunft, gegen alles recht und gegen die Menschlichkeit.
Ich will damit aber nicht sagen, dass der Krieg gegen Iran falsch ist. Dieses Mullahregime, das gegen den Willen des Volkes agiert und gegen den Frieden in der Region, muss ausgeschaltet werden. Schön wäre, für immer.

Gerhard Treiber

1 Empfehlung

Eine sehr detaillierte, faktenreiche Kenntnisbeschreibung.
Dennoch glaube ich, dass wir demnächst noch sehr viele überraschende / oft wechselnde Allianzen sehen werden, insofern vielleicht auch nur Kaffeesatzlesen.

Leid tun mir Kurden und Ukrainer, mehrfach von den USA verraten (diese Konstante zieht sich übrigens durch alle Administrationen von Obama bis Trump), jetzt sollen diese mit Drohnenabwehr und als Fussvolk helfen, den USA/Israel zum Endsieg zu verhelfen.


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