Dividenden reinvestieren: Der Turbo für langfristigen Vermögensaufbau mit ETFs


Thesaurierend oder ausschüttend: Diese beiden technischen Begriffe entscheiden zu einem grossen Teil darüber, wie erfolgreich Anleger beim Investieren sind.

Dividenden haben beim Vermögensaufbau eine grosse Bedeutung.

Illustration Pauline Martinet / NZZ

«Dividenden und die drei Zwerge», lautet der Titel eines in Finanz-Fachkreisen bekannten wissenschaftlichen Artikels von Robert Arnott aus dem Jahr 2003. Darin geht es nicht um ein Märchen, sondern darum, wie sich die Rendite von amerikanischen Aktien über einen Zeitraum von 200 Jahren zusammengesetzt hat.

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Die Berechnungen zeigen die überragende Bedeutung von Dividenden bei der Geldanlage. Die Gesamtrendite von amerikanischen Aktien im Zeitraum von 1802 bis 2002 betrug 7,9 Prozent pro Jahr. Alleine 5 Prozentpunkte dieser Rendite stammten von Dividenden. Für den Rest waren Inflation, reales Dividendenwachstum und steigende Bewertungsniveaus verantwortlich – die «drei Zwerge».

Die Studie ist schon etwas älter, doch Dividenden haben bei der Geldanlage seitdem keineswegs an Bedeutung verloren. Laut dem amerikanischen Anlagefonds-Riesen Vanguard haben Unternehmen weltweit im vergangenen Jahr ein Rekordvolumen an Dividenden von insgesamt 2300 Milliarden Dollar ausgeschüttet.

Für Schweizer Anleger sind Ausschüttungen von Firmen nicht zuletzt aufgrund des niedrigen Zinsniveaus sehr wichtig. Der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank liegt seit vergangenem Sommer wieder bei 0 Prozent – auch Negativzinsen sind nicht gänzlich ausgeschlossen.

Viele wollen bei ihren Investitionen daher «die Dividenden auf dem Konto sehen» und wählen Anlageprodukte – beispielsweise Exchange-Traded Funds (ETF) –, die diese ausschütten. ETF bilden gängige Börsenindizes wie den schweizerischen SMI, den europäischen Euro-Stoxx-50 oder den Welt-Aktienindex MSCI World ab und eignen sich aufgrund ihrer niedrigen Gebühren für die Geldanlage.

Bei der Auswahl des passenden ETF sollten Anleger ein wichtiges Detail nicht ausser acht lassen: Für den Vermögensaufbau eignen sich Produkte, welche die Dividenden direkt wieder in das Fondsvermögen investieren, deutlich besser als solche, die diese ausschütten. Im Fachjargon sind erstere Produkte als «thesaurierende ETF» bekannt. Tückischerweise sind solche Fonds im grossen Produkte-Universum deutlich seltener vertreten als «ausschüttende ETF».

Wenn die Dividenden ausgezahlt werden, steigt die Gefahr, dass die Gelder auf den Konten der Anleger herumliegen oder für den Konsum verwendet werden.

Werden die Ausschüttungen hingegen direkt in das Fondsvermögen reinvestiert, greift der Zinseszinseffekt und wirkt langfristig wie eine Art Turbo beim Vermögensaufbau.

Jüngst publizierte Zahlen der Bank Pictet zu den Aktienrenditen in der Schweiz haben gezeigt, dass eine hypothetische Investition von 1000 Franken im Jahr 1900 an der Schweizer Börse bis heute auf ein Vermögen von 4 Millionen Franken angewachsen wäre. Dies entspricht einer jährlichen nominalen Rendite von 6,8 Prozent. Diese Performance kommt aber nur unter der Annahme zustande, dass die Dividenden reinvestiert wurden. Anleger sollten sich also zwei Mal überlegen, ob sie wirklich auf einen ausschüttenden Dividenden-ETF setzen wollen.


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