Familie Hayek contra Steven Wood: Streit um die Governance der Swatch Group geht weiter


Der amerikanische Investor Steven Wood erhöht den Druck auf die Swatch Group. Mit einem neuen Vorstoss greift er die Machtstruktur des Konzerns frontal an.

Die Aktienstruktur der Swatch Group wurde bewusst so ausgestaltet, dass die Gründerfamilie Hayek mit relativ wenig eingebrachtem Kapital eine stabile Stimmenmehrheit sichern kann.

Urs Flüeler / Keystone

Seit rund einem Jahr sieht sich die Familie Hayek mit einem hartnäckigen Kritiker konfrontiert, der ihre dominante Stellung in der Swatch Group infrage stellt. Die Hayeks kontrollieren den Konzern doppelt – mit überproportionalen Stimmrechten und Schlüsselpositionen in Verwaltungsrat (VR) und Management. So lenken sie das Unternehmen nahezu allein.

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Der amerikanische Investor Steven Wood, Gründer der Beteiligungsgesellschaft Greenwood Investors, kritisiert diese Machtkonzentration und sieht darin eine Ursache für die schwache Entwicklung der Swatch Group der vergangenen Jahre.

Marktanteile schwinden, der Aktienkurs ist auf dem tiefsten Stand seit sechzehn Jahren. Für Wood spiegeln diese Zahlen strukturelle Defizite wider: ein Verwaltungsrat, der kaum unabhängig agiert und vor allem die Interessen der Familie Hayek vertritt.

Steven Wood, Gründer von Greenwood Investors.

PD

Umstrittene Wahl an der GV 2025

Am 21. Mai 2025 kam der Konflikt an der Generalversammlung (GV) der Swatch Group offen zum Vorschein. Wood kandidierte als Vertreter der Inhaberaktionäre für den Verwaltungsrat – ein Recht, das das Schweizer Gesetz dieser Aktionärsgruppe zusichert. Doch statt einer separaten Wahl legte die Swatch Group seine Kandidatur in die allgemeine Verwaltungsratswahl. Dieses Vorgehen stiess später auf Kritik von Wirtschaftsrechtlern.

Obwohl 61,9 Prozent der Inhaberaktionäre Wood unterstützten, erklärte die Swatch Group seine Kandidatur für gescheitert. Sie verwies auf die angeblich höhere Zustimmung für Jean-Pierre Roth, ein langjähriges Verwaltungsratsmitglied, das jedoch nie offiziell als Vertreter der Inhaberaktionäre gewählt worden war.

Im offiziellen Protokoll hiess es dann, Steven Wood sei deshalb nicht gewählt worden, weil die Generalversammlung – trotz der Unterstützung der Inhaberaktionäre – seine Wahl «aus den an der GV genannten wichtigen Gründen mit grossem Mehr» abgelehnt habe.

Strategischer Vorstoss für die GV 2026

Nach der GV suchte Wood nach eigenen Angaben zunächst das Gespräch mit der Führung der Swatch Group, prüfte aber auch rechtliche Schritte und die Einberufung einer ausserordentlichen GV. Dann wählte er jedoch einen anderen Weg.

Am 23. November 2025 reichte er ein Traktandierungsbegehren für die ordentliche Generalversammlung 2026 ein. Seine Fonds halten, wie er schreibt, 0,5 Prozent der Stimmen – genug, um entsprechende Anträge einzureichen. Das Paket umfasst sechs Statutenänderungen, die zentrale Governance-Fragen betreffen.

1. Klare und stärkere Vertretung der Inhaberaktionäre: Wood fordert ein transparentes Wahlverfahren: Die Inhaberaktionäre sollen ihre Vertreter in einer Sonderversammlung vor der GV wählen dürfen. Drei Sitze im Verwaltungsrat sollen ihnen zustehen.

Status quo: Der Verwaltungsrat bestimmt selbst, wer die Inhaber- und Namenaktionäre vertritt. Die GV wählt alle Mitglieder gemeinsam.

2. Mehrheitlich unabhängiger Verwaltungsrat: Die Mehrheit des Gremiums soll weder dem Hayek-Pool angehören noch operativ tätig sein oder länger als zwölf Jahre im Amt bleiben.

Status quo: Derzeit sitzen im siebenköpfigen VR vier Vertreter des Hayek-Pools: Nayla Hayek als Präsidentin, ihr Sohn Marc, der CEO Nick Hayek und Daniela Aeschlimann, die Tochter von alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann, als Vertreterin der Ammann Group. Ergänzt wird das Gremium durch den Lindt-&-Sprüngli-Präsidenten Ernst Tanner, den Astronauten Claude Nicollier und den ehemaligen Nationalbankdirektor Jean-Pierre Roth. Diese drei gelten zwar formal als unabhängig – diese Unabhängigkeit wird aber wegen ihrer jeweils mindestens fünfzehnjährigen Zugehörigkeit zum Verwaltungsrat zumindest infrage gestellt.

3. Strikte Trennung von Leitung und Aufsicht: Die Person, die das Verwaltungsratspräsidium innehat, soll keine operative Funktion ausüben dürfen.

Status quo: Nayla Hayek leitet zugleich die Schmuckmarke Harry Winston.

4. Stärkung des Vergütungsausschusses: Der Vorsitz des Ausschusses soll von den Aktionären gewählt werden und zwingend unabhängig sein.

Status quo: Die GV wählt die Mitglieder, der Verwaltungsrat bestimmt den Vorsitz.

5. Amtszeitbeschränkung für die Revisionsstelle: Nach zehn Jahren soll zwingend ein Wechsel stattfinden.

Status quo: Die Amtsdauer beträgt drei Jahre, Wiederwahlen sind unbegrenzt möglich.

6. Rückkehr zu physischen oder hybriden GV-Formaten: Rein virtuelle Generalversammlungen sollen nicht mehr zulässig sein.

Status quo: Die Statuten erlauben rein virtuelle Versammlungen ohne physischen Ort. Das gilt sowohl für ordentliche als auch für ausserordentliche Generalversammlungen.

Kampf um die Governance-Struktur

Wood will die Governance-Fragen frühzeitig vor der nächsten GV aufwerfen und die Debatte auf eine transparente, rechtlich eindeutige Basis stellen. Damit verlagert er den Konflikt von taktischen Abstimmungen hin zu grundlegenden Strukturfragen. Die ordentliche Generalversammlung 2026 dürfte zum entscheidenden Schauplatz werden, wenn sich die beiden Seiten nicht doch vorher noch annähern.

Der Verwaltungsrat kann Woods Anträge unverändert auf die Traktandenliste setzen, oder vorher das Gespräch suchen. Klar ist: Ohne die Stimmen des sogenannten Hayek-Pools, der mit 26 Prozent des Kapitals knapp 45 Prozent der Stimmen kontrolliert, haben Woods Anträge kaum Aussicht auf Erfolg.

Doch die Abstimmungen würden stattfinden. Und die Hayeks müssten offen dokumentieren, dass sie sämtliche Reformvorschläge ablehnen. Genau darauf scheint Wood abzuzielen. Die vergangene GV hat gezeigt, dass viele Aktionäre unzufrieden sind: Nur 55,7 Prozent stimmten für die Entlastung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung.

Formale Grundlage des Begehrens noch offen

Eine inhaltliche Stellungnahme zum Schreiben von Greenwood Investors war von der Swatch Group am Montagabend nicht zu erhalten. Das Unternehmen bestätigte den Eingang des Traktandierungsbegehrens, hielt jedoch fest, sie habe bislang keinen Nachweis erhalten, dass Greenwood die gesetzlichen Voraussetzungen für ein solches Begehren erfülle.

Bei der letzten GV hatte Greenwood mit einem anderen Investor kooperiert, um die nötigen 0,5 Prozent der Stimmrechte zu erreichen. Wood sagte auf Anfrage, den Nachweis in den nächsten Tagen zu erbringen.


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