Wird Öl und Gas teurer, steigen auch die Preise weiterer Produkte und Dienstleistungen. Auch die Schweiz ist davon betroffen. Mittelfristig dürfte sich der Preisschub sogar in höheren Lebensmittelpreisen niederschlagen.
Öl ist nach wie vor das Schmiermittel der Weltwirtschaft: Wird Kerosin teurer, spüren das auch Reisende.
Gaetan Bally / Keystone
Die «Operation epischer Zorn» der USA und Israels dauert seit mehr als zehn Tagen an. Der Krieg hat nicht nur massive Auswirkungen auf die Menschen in Iran und im gesamten Nahen Osten, sondern auch auf die Konsumentinnen und Konsumenten weltweit. Höhere Öl- und Gaspreise verteuern auf lange Sicht zahlreiche Güter und Dienstleistungen. Hinzu kommen steigende Transportkosten.
Die genauen Auswirkungen auf das Preisniveau in der Schweiz und Europa seien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzbar, sagt Jan-Egbert Sturm, Direktor des KOF Instituts der ETH Zürich. Es sei aber klar: «Je länger der Krieg dauert, desto stärker wird man das hierzulande im Portemonnaie spüren.»
Die NZZ hat Produkte und Dienstleistungen zusammengestellt, bei denen die Preise bereits gestiegen sind – oder noch steigen dürften.
1. Steigende Preise an der Tankstelle
Bleifrei-Benzin und Diesel sind destilliertes und veredeltes Rohöl, das aus dem Nahen Osten, aus den USA, Nordafrika und der Nordsee in die Schweiz gelangt. Die höheren Marktpreise schlagen sich an den Tankstellen rasch nieder.
Kurz bevor der Krieg begann, am 26. Februar 2026, kostete ein Liter Bleifrei 95 laut dem Touring Club Schweiz (TCS) im Schnitt 1.67 Franken. Am 10. März lag der Durchschnittspreis bereits bei 1.74 Franken – rund vier Prozent höher. Der Dieselpreis stieg sogar von 1.79 auf 1.95 Franken, eine Zunahme um 9 Prozent.
Gegenüber der Nachrichtenagentur AWP schloss TCS-Experte Erich Schwizer nicht aus, dass ein Liter Benzin Bleifrei 95 im Verlauf der Woche 1.90 Franken und ein Liter Diesel 2.20 Franken kosten wird. Auf Nachfrage der NZZ betonen die Verantwortlichen aber, dass es sich dabei um eine Prognose mit grossen Unsicherheiten handle.
Schweizer Haushalten, die mit Öl und Gas heizen, müssen ebenfalls mit höheren Kosten rechnen, allerdings erst mit Verzögerung. Schweizer Grossverbraucher und Energieversorger haben ihr Gas in der Regel weit im Voraus zu fixen Preisen eingekauft. Die höheren Preise treffen sie erst, wenn die Lieferverträge erneuert werden. «Die Strompreise für die Haushalte werden frühestens in einem Jahr steigen», sagt dazu Jan-Egbert Sturm vom KOF. Und das nur, sofern der Krieg länger anhalte als erwartet.
2. Fliegen wird teurer
Was für das Auto Benzin und Diesel sind, ist für Flugzeuge das Kerosin. Die Airlines dürften die höheren Ölpreise in absehbarer Zeit auf ihre Ticketpreise überwälzen. Die australische Qantas Airways und Air New Zealand haben am Dienstag bereits angekündigt, ihre Preise aufgrund des Nahostkonflikts anheben zu wollen.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Flughäfen im Nahen Osten zu wichtigen Transport-Hubs entwickelt haben. Die Ausweichmöglichkeiten sind begrenzt, zumal seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine auch das grösste Land der Welt von den meisten europäischen Fluggesellschaften nicht überflogen werden kann.
Airlines müssen also Umwege fliegen. Das führt zu einem höheren Kerosinverbrauch und längeren Flugzeiten. «Das Fliegen wird sich deshalb verteuern», sagt Jan-Egbert Sturm vom KOF. Insbesondere touristische Reisen und Geschäftsreisen von Europa nach Asien.
3. Dünger und Lebensmittelpreise
Auch in der Landwirtschaft zeigt der Krieg erste Folgen. Der deutsche Bauernpräsident Joachim Rukwied beklagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur die gestiegenen Preise für Dünger und Diesel. Das ist schmerzhaft, zumal in Deutschland die Feldarbeit gerade erst begonnen hat.
Auch das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnte am Wochenende vor ernsthaften Konsequenzen. Ein bedeutender Anteil des weltweiten Düngerhandels passiere die Strasse von Hormus, hiess es in einer Mitteilung. «Jede Unterbrechung dort gefährdet die Verfügbarkeit von Düngemitteln, senkt Ernteerträge und treibt dadurch globale Lebensmittelpreise nach oben», schreibt die Organisation.
Beim Schweizer Bauernverband sorgt man sich ebenfalls, dass die eigene Produktion aufgrund höherer Preise für Diesel, Dünger und Futtermittel teurer werden könnte. Sprecherin Sandra Helfenstein betont jedoch, dass es für eine seriöse Einschätzung noch zu früh sei. «Es hängt alles davon ab, wie lange der Krieg dauern wird.»
Auch die Migros, die grösste Lebensmittelhändlerin des Landes, will keine Panik verbreiten. «Dank unserer starken Fokussierung auf lokale und europäische Produkte sehen wir keine unmittelbare Gefahr für signifikante Preissteigerungen in unseren Supermärkten», sagt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Sie warnt aber auch vor Risiken: «So könnten die globalen Ölpreise stark steigen, was indirekt Auswirkungen auf Transport- und Produktionskosten haben könnte.»
4. Teurere Importe aus Fernost
Wenn Energie- und Transportkosten steigen, verteuert das langfristig sämtliche Produkte, die aus Asien nach Europa kommen. Martin Ticks, Geschäftsführer der Logistikfirma Birsterminal in Birsfelden, warnte in diesem Zusammenhang gegenüber SRF, dass viele Schiffe blockiert seien und manche Reedereien das Gebiet komplett mieden, was zu langen Umwegen führe. Die Mehrkosten seien immens.
Aufgrund der Einschränkungen im Flugverkehr, gibt es zudem schlicht zu wenige Flüge für Luftfracht. Das betrifft besonders teure Produkte wie Smartphones und Computerchips, aber auch Medikamente und Uhren, die oft per Flugzeug exportiert werden.
5. Hypothekarzinsen unter Druck
Die Rohstoff- und Aktienmärkte wurden durch den Krieg bereits durcheinandergewirbelt. Je nach Dauer des Konflikts könnte sich das auch auf das Zinsniveau auswirken. Zoltan Szelyes vom Beratungsunternehmen Macro Real Estate spricht in einer aktuellen Präsentation gar vom «Risiko eines Zinsschocks» für den Immobilienmarkt.
Die durchschnittlichen Swap-Zinssätze, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen, sind seit dem Ausbruch des Krieges sprunghaft angestiegen, um rund 20 Basispunkte. Das schlägt direkt auf die Zinssätze für neue Festhypotheken durch – und langfristig auch auf den variablen Saron-Zinssatz.
In einem positiven Szenario, in dem der Krieg nach zwei, drei Wochen vorbei ist, geht Szelyes davon aus, dass der Saron-Zinssatz bei null Prozent bleibt und sich die langfristigen Zinsen auf dem aktuellen Niveau einpendeln. Bei einem Konflikt, der drei bis sechs Wochen dauert, rechnet der frühere Nationalbank-Ökonom in der zweiten Hälfte 2026 mit einer Saron-Erhöhung auf 0,5 Prozent.
Aber auch Szelyes sagt, dass zum jetzigen Zeitpunkt alles mit grossen Unsicherheiten verbunden sei. Je nach Entwicklung der Inflation könne die Zinskurve auch in die andere Richtung gehen.

