Trump hatte Indien eigentlich zum Stopp aller Ölimporte aus Russland zwingen wollen. Das Zollurteil und der Iran-Krieg haben ihm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Indien muss fast alles Öl aus dem Ausland importieren. Der grösste Lieferant war in den letzten Jahren Russland.
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Über Monate hat der amerikanische Präsident Donald Trump Indien unter Druck gesetzt, seine Ölimporte aus Russland zu stoppen. Der Angriff auf Iran hat die USA nun jedoch zu einer Kehrtwende gezwungen. Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent teilte am Donnerstag mit, die USA würden vorübergehend ihre Sanktionen aussetzen, die Indien den Kauf von russischem Öl verbieten. Mit der 30-tägigen Ausnahmeregelung solle der Druck auf die Energieversorgung reduziert werden, der durch den Iran-Krieg entstanden sei.
Das Regime in Teheran hat infolge des Angriffs der USA und Israels die Seestrasse von Hormuz de facto für den Schiffsverkehr gesperrt. Dutzende Tanker auf dem Weg nach Indien sind seither blockiert. Für Indien hat dies schwere Folgen: Rund 40 Prozent seines Ölbedarfs gehen laut der Nachrichtenagentur Reuters durch die Meerenge. Demnach hat Indien noch genug Ölvorräte für 25 Tage. Sollte die Blockade der Strasse von Hormuz länger dauern, wäre die Versorgung gefährdet.
In dieser Situation ist Russland für Indien eine naheliegende Alternative zu den Golfstaaten. Auf Druck der USA hatte Indien zuletzt seine Importe aus Russland stark reduziert. Im Januar war Russland mit 19,3 Prozent zwar noch Indiens wichtigster Lieferant, doch lagen die Importe auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2022. Stattdessen haben die indischen Raffinerien ihre Importe aus Saudiarabien und Kuwait stark ausgeweitet. Auch aus den USA kauften sie mehr Erdöl.
Indien hat einen Lieferstopp nie bestätigt
Die USA warfen Indien vor, mit seinen Ölimporten aus Russland dessen Kriegsführung in der Ukraine mitzufinanzieren. Um Indien zum Stopp der Importe zu zwingen, verhängte Trump im August einen Zusatzzoll von 25 Prozent auf alle Wareneinfuhren aus Indien. Insgesamt lag der Zoll damit bei 50 Prozent – ein Rekordwert in der Welt. Die Regierung von Premierminister Narendra Modi gab sich zunächst unnachgiebig. Sie beharrte darauf, dass Indien sein Öl dort kaufe, wo es am günstigsten sei. Und dies sei nun mal Russland.
Modi wollte sich nicht seine Politik diktieren lassen. Auch wollte er den langjährigen Partner Russland nicht vor den Kopf stossen. Als die USA auch noch Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Lukoil und Rosneft verkündeten, begannen viele indische Raffinerien jedoch, ihre Ölimporte aus Russland zu reduzieren. Im Februar verkündete Trump dann eine Einigung im Zollstreit mit Indien. Dabei behauptete er, Indien habe zugesagt, die strittigen Ölimporte zu stoppen.
Aus Delhi wurde dies nicht bestätigt. Experten halten es für wenig wahrscheinlich, dass Indien seine Importe aus Russland ganz stoppt. Dies allein schon deshalb, weil die Raffinerie von Nayara auf russisches Öl angewiesen ist. Nayara gehört Rosneft. Da der Konzern in der EU und den USA mit Sanktionen belegt ist, kann die Raffinerie nur aus Russland Öl beziehen. Experten erwarten, dass Nayara auch künftig etwa 400 000 Fass pro Tag aus Russland importieren wird.
Trump hat sein schärfstes Druckmittel verloren
In den vergangenen Wochen hat sich die Situation mehrfach verändert. Am 20. Februar entschied das Oberste Gericht der USA, dass die meisten von Trump verhängten Zölle illegal seien. Damit verlor er sein wichtigstes Druckmittel gegen Indien. Delhi setzte daraufhin Gespräche über das Handelsabkommen aus, das Trump Anfang Februar verkündet hatte. Dieses sieht Importzölle von 18 Prozent für Indien vor. Nach dem Zollurteil des Obersten Gerichts war Trump aber gezwungen, die Zölle für alle Länder vorerst auf 15 Prozent festzusetzen.
Mit dem amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran am 28. Februar änderte sich die Lage erneut. Die Blockade der Strasse von Hormuz für Öllieferungen erhöhte den Druck auf Indien, alternative Anbieter zu finden. Die USA mussten erwarten, dass sich Indien erneut an Russland wendet. Mit der Aussetzung der Sanktionen für 30 Tage erlauben sie Indien, was es wohl ohnehin getan hätte. Allerdings beschränkt sich die Ausnahme auf den Kauf von Ölbeständen auf See.
Seitdem Indien seine Importe aus Russland reduziert hat, hat Russland Mühe, Abnehmer zu finden. Grosse Mengen russischen Öls liegen daher in schwimmenden Lagern auf See. Dieses Öl darf Indien nun importieren, ohne deshalb amerikanische Sanktionen fürchten zu müssen. Russland wird davon finanziell profitieren. Während es sein Öl im Februar noch mit einem starken Preisabschlag angeboten hatte, liegt der Preis nun für Lieferungen im März und April über dem Preis für die europäische Marke Brent.

