iNTELLiGENT iNVESTiEREN: Last Order: Das Ende der Portfoliochecks


Dies ist mal wieder ein Beitrag in eigener Sache; leider aus einem traurigen Anlass. Seit September 2015 schreibe ich für das damals frisch ins Leben gerufene “Aktien Magazin” von Traderfox und drei Jahre später übernahm ich auch die Kolumne “Portfoliocheck“, um über die Veränderungen in den Depots der bekanntesten Value Investoren unserer Zeit zu berichten. Dazu habe ich mir auch die Investorenbriefe angesehen, in denen die “Börsengurus” ihre Einschätzung zu den Unternehmen abgegeben haben. Das bedeutete immer viel Aufwand, aber vor allem Freude und interessanten Einsichten. Doch damit ist jetzt Schluss!

Nach siebeneinhalb Jahren teilte mir Traderfox-Chef Simon Betschinger nun mit, dass die Portfoliochecks keine hohen Abrufzahlen auf der Website aufweisen und die gemessenen Seitenverweildauern zu gering seien.

Kurz gesagt: der Portfoliocheck überzeugt nicht mehr und wird daher eingestellt.

Damit endet ein Format, das mir echt ans Herz gewachsen ist. Portfoliocheck Nr. 322 war nun die letzte Ausgabe; ich hatte Prem Watsa über die Schulter gesehen, dem “kanadischen Warren Buffett”.

Ironischerweise begann alles mit eben diesem Warren Buffett, den ich schon fast mein gesamten Börsenleben lang begleite und damit seit fast 40 Jahren. Über ihn verfasste ich im September 2018 Portfoliocheck Nr. 1.

Und bereits drei Jahre zuvor, als ich von Simon Betschinger für sein neues Aktien Magazin als Kolumnist angeworben wurde, hatte Warren Buffett seine Finger im Spiel. Indirekt, versteht sich. Auslöser war ein Artikel über Buffett, der sich einen raffinierten Trickspielzug geleistet hatte und nur wenige Tage nach Veröffentlichung meines “investigativen” Berichts Ende August 2015 kontaktierte mich Simon und äußerste überzeugendes Interesse an meinen börsenbardischen Fähigkeiten.

Doch nun endet diese Reise genau zu dem Zeitpunkt, an dem sich Warren Buffett nach 60 Jahren an der Spitze von Berkshire Hathaway in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. Vom Timing her also nahezu perfekt – aber das macht den Abschied für mich nicht weniger traurig.

Es wird also keine Portfoliochecks mehr geben. Ich werde sicherlich auch künftig in die Depots der größten Anleger unserer Zeit blicken und mir dort Ideen und Anregungen holen. Denn in erster Linie bin und bleibe ich Investor. Das Schreiben über das Investieren ist für mich eher “Freizeitgestaltung mit beruflichem Hintergrund“, wie Karl Lagerfeld es mal formulierte. Ich studiere die Börsengurus also aus eigenem Interesse, um zu lernen. Und werde daher wohl auch in Zukunft ab und zu über den einen oder anderen berichten.

Aber letztlich habe ich die Portfoliochecks natürlich nicht nur für mich selbst geschrieben, sondern auch für euch interessierte Leser. Und das Feedback in diesen siebeneinhalb Jahren hat mir gezeigt, dass es an diesem Format einiges Interesse gab. Aber wohl nicht mehr genug. Buffett nennt sowas Opportunitätskosten: das Bessere ist den Guten Feind. Und wenn andere Artikel auf mehr Interesse stoßen, andere Themen mehr Klicks bringen, dann ist gut nicht mehr gut genug. Lesen stirbt ja ohnehin immer mehr aus; inzwischen sind Videos und  Podcasts angesagt, aber das ist nicht meine Welt. Ich bin und bleibe hier “old school”, weil ich durch Lesen Informationen sehr viel besser aufnehmen und verarbeiten kann als durch Zuschauen oder Zuhören.

Am Ende bleibt mir nur, mich bei euch für eurer Interesse zu bedanken – und bei Simon Betschinger, der mir als erster und bis heute die Chance gegeben hat, Artikel und Kolumnen für seine Magazine zu schreiben über das, was mir am meisten Spaß macht: das Investieren.

Wir lesen uns…

Euer Börsenbarde

Michael C. Kissig


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