Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung…
Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:
📈 Palantir +16,6%
📈 SoFi Technologies +8,3%
📈 KKR & Co. +6,1%
📈 Apollo Global +5,8%
📈 Almonty Industries +3,9%
📈 MercadoLibre +3,5%
📈 RocketLab +3,4%
📉 Pfisterer Holding -3,6%
📉 Rheinmetall -4,4%
📉 Comfort Systems -8,8%
Es war eine weitere sehr volatile Börsenwoche, in der es zu einer deutlichen Erholung kam, bevor am Freitag neue Zinssorgen die Laune verhagelten. Genauer gesagt, die Aussicht auf baldige Zinssenkung in den USA ist gesunken, denn der schwächelnde US-Arbeitsmarkt trifft nun auf explodierende Energiepreise. Trumps Krieg gegen den Iran kommt damit (nicht nur an dieser Stelle) wie ein Boomerang zu ihm zurück. Und die Märkte spielen den Blues eines weiteren endlosen Krieges in Nahost. Doch die Wahrscheinlichkeit dürfte gering sein.
Heute hat sich Irans Präsident Massud Peseschkian bei den arabischen Nachbarländern des Iran entschuldigt und die Einstellung der iranischen Raketen- und Drohnenattacken auf sie angekündigt. Einsicht? Wohl kaum. Die USA haben die Produktion dieser Waffen massiv getroffen, die iranische Luftwaffe und die Marine ausgeschaltet: An Tag eins der Angriffe startete Iran 350 Ballistische Raketen und 295 Drohnenschwärme, an Tag 8 waren es noch 15 und 12, also Rückgänge von jeweils mehr als 95%. Iran hat schlicht zu wenig Power, um mehr als Israel und US-Truppen angreifen zu können. Und damit stellt sich auch die Frage, wie lange die Bedrohung im Golf/ der Straße von Hormus für die Schifffahrt noch “real existiert”…
Der Anstieg des Ölpreises ist hingegen real. Auch wenn hier überwiegend psychologische Faktoren eine Rolle spielen, gibt es auch eine Verknappung des Nachschubs, weil die Öl-Tanker die Straße von Hormus nicht mehr passieren. Das trifft zwar direkt erstmal vor allem China, aber indirekt dann aber doch alle, weil China nun andernorts Öl einkauft und sich das gesunkene Angebot daher überall bemerkbar macht. Da hilft auch die Ankündigung der OPEC nicht weiter, die Öl-Förderung hochzuschrauben, denn ein erheblicher Teil dieses Öls müsste durch die Straße von Hormus – Kuwaits Lager sind bereits randvoll und die Förderung wird eingeschränkt. Und so verzeichneten die US-Ölpreise mit +34,5% den größten wöchentlichen Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1982.
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Und es trifft auch den LNG-Markt, denn die Golfregion ist eine wichtige LNG-Quelle, vor allem Katar. Katar soll ab diesem Jahr eine zentrale Rolle spielen in der EU-Strategie, sich von russischen Erdgas komplett zu lösen und bisher war die Lesart, dass LNG aufgrund der diversen Quellen immer in ausreichendem Maß verfügbar sein wird und dass der Preis mittel- und langfristig deutlich fallen dürfte, weil weltweit Überkapazitäten aufgebaut werden. Pustekuchen! Wie sich jetzt zeigt (und wie konnte das nicht klar sein!!!), sind die “Supply Chain Risks” erheblich und existenzbedrohend. (Auch) hierauf wird die EU eine Antwort finden müssen; doch die steht keinesfalls in absehbarer Zeit zur Verfügung.
Interessanterweise wächst aber nicht nur der Private Credit Markt – auch weil Banken immer öfter in ihm aktiv werden (wie z.B. JPMorgan). Es läuft auch anders herum: LendingClub, SoFi und viele mehr haben inzwischen Banklizenzen und zählen damit nicht zum Private Credit, sondern zum Bankensektor. Es hat eben beides Vor- und Nachteile und diese gilt es gegeneinander abzuwägen – sowohl seitens der Unternehmen als auch ihrer Anleger.
Doch zurück zu BlackRock, denn hier gab es ein weiteres “Problem”. Denn BlackRock hat Auszahlungen aus einem seiner großen Private Credit-Fonds eingeschränkt, da hier ein sprunghafter Anstieg von Rückgabewünschen der Investoren entstanden ist. Das erinnert an die Panik bei/um Blue Owl und kam entsprechend schlecht an am Markt. Konkret geht es um BlackRocks HPS Corporate Lending Fund, einen der größten Private-Credit-Fonds von BlackRock. Anleger hatten im ersten Quartal 2026 bereits Rücknahmen von 9,3% der Anteile beantragt, doch – wie branchenüblich – sieht der Fonds nur Rücknahmen im Umfang von 5% der ausstehenden Anteile zum Stand Ende 2025 bedienen. Das entspricht rund 620 Mio. USD. Sowas erzeugt immer Panik, weil eine Einschränkung der Rücknahmen gleichgesetzt wird mit einer Schieflage. Was aber kein Automatismus ist! Fonds investieren die Gelder ihrer Anleger/Investoren in Assets, also je nach Fondsausrichtung in Unternehmen, Anleihen, Immobilien, Kredite. Übrig bleibt nur ein kleiner Anteil an Liquidität und wenn nun zu viele Anleger gleichzeitig ihr Geld ausgezahlt bekommen wollen, kann der Fonds dies nicht soft tun – erst muss er einige der Assets versilbern. Bei Aktien und Staatsanleihen ist dies keine Frage der Liquidität, sondern “nur” eine des erzielbaren Preises. Doch Immobilien oder Unternehmenskredite sind ihrer Natur nach mittel- und langfristig gebunden, so dass ihr Verkauf einige Zeit in Anspruch nimmt. Es ist also nur ein Liquiditätsproblem, kein wirtschaftliches. Aber diese Unterscheidung wird in Panikphasen nicht gemacht und das ist keine neue Erkenntnis. Es sind nur neue (jüngere) Akteure am Markt, die das zum ersten Mal erleben oder die Wirkung wieder vergessen haben.
“Wir alle suchen nach der perfekten Gelegenheit, aber oft ist eine Gelegenheit eine Gelegenheit gerade weil die Bedingungen nicht perfekt sind.“
(Ian Cassel)
Unterm Strich blieb aber ein ordentliches Plus bei den Finanzwerten übrig und ich werte die Panik als ebensolche und sehe hier – bei den richtigen Unternehmen – ein sehr attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.
Energiewerte haussierten und “Experten” sprechen bereits von Ölpreisen von 150 oder 200 USD je Barrel. Damit kommen sie in die Nachrichten und ins Fernsehen, aber Substanz haben solche Vorhersagen nicht.
“Wirtschaftsprognosen erfüllen den Zweck, die Astrologie seriös aussehen zu lassen.“
(John Kenneth Galbraith)
Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche zunächst deutlich zulegen konnte, bevor am Freitag der Großteil der Zugewinne wieder ausradiert wurde. Der Finanzsektor zeigte einen starken Rebound nach dem heftigen Sell-off in der Vorwoche, bevor die entweichende Zinssenkungsvorfreude die Kurse wieder drückte.
Apropos Schwächen: Ganz entscheidend für Costco sind die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und die beliefen sich auf 1,36 Mrd. USD gegenüber 1,19 Mrd. USD im Vorjahr. Klingt gut, zeigt aber eine Verlangsamung des Wachstums. Das könnte man als Red Flag ansehen, aber beim zweiten Blick relativiert sich das “Problem”. Denn Costco hat vor anderthalb Jahren damit begonnen, die Praxis zu unterbinden, dass Nicht-Mitglieder mit geliehenen Mitgliedausweisen einkaufen konnten. Netflix, Amazon usw. haben dieses “Membership Sharing” auch erfolgreich unterbunden. So auch Costco. Kunden müssen seitdem ihre Kundenkarte beim Einkauf vorlegen und ohne Ausweis kein Zutritt. Die positiven Auswirkungen waren, dass es einen spürbaren Anstieg der Mitglieder gab – doch dieser einmalige Effekt läuft jetzt aus und damit sinken die Wachstumsraten aufgrund der zuvor “künstlich” erhöhten Basis. Unterm Strich wächst die Zahl der Mitglieder weiter und damit die Mitgliedeinnahmen, denen beinahe keine Kosten gegenüberstehen. Und da inzwischen für Premium-Mitglieder besondere Einkaufszeitfenster reserviert wurden, hält der Trend zum Upgrade an. Dadurch steigen die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen schneller als die Zahl der Mitglieder und da Premium-Mitglieder auch öfter und mehr kaufen, legt auch der Umsatz zu. Und beides befeuert den Gewinn. Und so legte der Nettogewinn für das Quartal von 1,79 im Vorjahr auf 2,04 Mrd. USD zu – ein Plus von 14 %.
Ich bin (leider erst) seit Oktober 2019 bei Costco investiert und das Timing war echt lausig, da ja der Corona-Crash nur einige Wochen später voll ins Depot crashte. Ich habe da meine Position deutlich vergrößert (und verbilligt) und seitdem legte der Kurs ordentlich zu. Auf deutliche Anstiege Folgen längere Korrektur- oder Konsolidierungsphasen, doch die sind kein Grund zu verkaufen. Bezogen auf meinen (zu teuren) Erstkauf hat die Aktie eine Gesamtrendite (also Kursgewinne und Dividenden) von 235% hingelegt und damit 21% pro Jahr. Und solche Zuwächse liefert die Aktie bereits seit Jahrzehnten, es handelt sich also nicht um einmalige Effekte wegen des Zinsniveaus, der Wirtschaftslage oder was auch immer. Nein, Costco entwickelt sich steig weiter und passt sich an neue Herausforderungen an. Es lebt von den Mitgliedsbeiträgen und verzichtet im Gegenzug auf üppige Margen – es teilt seine zunehmenden Einkaufsvorteile mit seinen Mitgliedern und diese danken es mit zusätzlichen Einkäufen. “Geteilte Skaleneffizienz” ist das wohl effektivste Businessmodell, das je geschaffen wurde. Abgesehen von einem Monopol.
Mein Vermögen hatte nach den beiden ersten vollen Handelswochen des Jahres ein sattes Plus von 10,0% verbucht. Anschließend ging es sukzessive abwärts und alle Gewinne wurden bis Mitte Februar wieder weggefressen. Seitdem geht es wieder sukzessive aufwärts und nach einer stabilen Vorwoche kamen nun ein weiterer Prozentpunkt obendrauf. Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +5,75 (YTD).
Die von Trump bewusst lancierte Dollarschwäche belastet US-Werte auf Euro-Basis im Jahr 2025 mit rund 12 %. Ich gehe davon aus, dass diese Tendenz auch in 2026 anhalten wird, wenngleich nicht derselben Größenordnung. Da ich einen hohen Anteil an US-Werten im Depot halte (knapp 75%), wirkt sich die Dollarschwäche natürlich entsprechend negativ auf meine Performance aus.
Mein Investor-Update zum Q4/2025 – nicht mehr ganz brandneu, aber in Farbe!
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.
Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in “meinen” Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.
Es bleibt spannend – wie eigentlich immer an der Börse. ツ
Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

