Iran-Krieg trifft Schokoladensektor: Die Aktie von Lindt & Sprüngli bricht ein


Der Kilchberger Schokoladekonzern korrigiert seine Umsatzprognose nach unten. Der Aktienkurs bricht um 10 Prozent ein.

Lindt & Sprüngli wird 2026 die Preise für seine Schokolade erneut erhöhen.

Annick Ramp / NZZ

Die Anleger am Aktienmarkt schauen nur nach vorne. Das hat der Schweizer Schokoladekonzern Lindt & Sprüngli am Dienstag erfahren: Trotz starker Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr verloren die Lindt-Partizipationsscheine um rund 10 Prozent an Wert. Lindt hat seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert – und damit ein kleines Börsenbeben ausgelöst.

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Eigentlich ist die Korrektur der Prognose moderat. Das Unternehmen erwartet für 2026 noch ein organisches Umsatzwachstum von 4 bis 6 Prozent – statt der bisher prognostizierten 6 bis 8 Prozent. Doch erstens kam die Anpassung überraschend. Und zweitens zeigt sie, dass sich der Iran-Krieg auch auf die Geschäfte der Konsumgüterhersteller in Europa auszuwirken beginnt. Damit hatten offenbar die wenigsten gerechnet.

Schlechte Stimmung unter den Konsumenten

Laut Firmenchef Adalbert Lechner spürt Lindt & Sprüngli die Folgen des Iran-Kriegs einerseits beim Tourismus. Die Flughäfen in Dubai und Abu Dhabi sind wichtige Drehkreuze für den internationalen Flugverkehr zwischen Europa, Asien und Australien. Weil sie derzeit geschlossen sind, kommen weniger Touristen aus Asien nach Europa als üblich. Lindt & Sprüngli verkauft deshalb weniger Schokolade in Duty-Free-Läden an den Flughäfen. Auch die eigenen Flagship-Läden in den Stadtzentren von London, Paris oder Wien haben weniger Frequenz, denn Touristen aus Asien sind dort wichtige Kunden.

Anderseits rechnet Lechner damit, dass der Krieg auf die Konsumentenstimmung in Europa durchschlagen wird. Weil etwa die Benzinpreise gestiegen sind, würden die Menschen stärker aufs Portemonnaie schauen.

Besonders letzteres ist für den Schokoladekonzern ernüchternd. Er hatte eigentlich damit gerechnet, dass die Konsumenten dieses Jahr wieder kauffreudiger werden würden. Schon das letzte Weihnachtsgeschäft ist ziemlich schwach ausgefallen. Das hatte einen Grund: Schokolade ist im vergangenen Jahr deutlich teurer geworden.

Schokolade wird nochmals teurer

Lindt & Sprüngli hat die Absatzpreise im Jahr 2025 um durchschnittlich 19 Prozent erhöht. Viele Kunden zögerten, sich zu Weihnachten eine 500-Gramm-Schachtel mit Lindor-Kugeln für fast 30 Franken oder Euro zu kaufen. Das Unternehmen hat die ungewohnte Erfahrung gemacht, dass das weltweite Verkaufsvolumen im Jahr 2025 um über 6 Prozent geschrumpft ist.

Auch wegen dem Iran-Krieg wird sich die Lage wohl nicht so schnell beruhigen. Lindt & Sprüngli rechnet 2026 nochmals mit einem leicht sinkenden Verkaufsvolumen. Der Umsatz soll nur wegen Preiserhöhungen wachsen. Denn mit dem Trend zu teurerer Schokolade ist es laut Firmenchef Lechner noch nicht vorbei. Der Lindt-Hase zu Ostern kostet erneut mehr als im Vorjahr. Aufs Jahr gesehen will das Unternehmen seine Absatzpreise um einen einstelligen Prozentsatz erhöhen.

Wann sinken die Preise?

Damit gerät der Konzern in eine knifflige Situation. Schokolade ist in den Jahren 2024/25 vor allem deshalb teurer geworden, weil der Weltmarktpreis für den Rohstoff Kakao zeitweise stark gestiegen ist. Doch in den letzten Wochen ist der Kakaopreis wieder auf ein normales Niveau gesunken. Das wirft die Frage auf, wann Lindt & Sprüngli seine Preise wieder senken wird. Einzelne Hersteller – in der Schweiz etwa die Migros-Eigenmarke Frey – haben bereits mit Preisreduktionen begonnen.

Konzernchef Lechner sagte allerdings an der Jahrespressekonferenz, es sei zu früh, um über Preissenkungen zu reden. Man habe mit Abnehmern wie Supermarktketten die Preise für das Jahr 2026 vielerorts schon ausgehandelt. Reduktionen könne man allenfalls fürs 2027 ins Auge fassen. Man werde sehen müssen, auf welchem Niveau sich der Kakaopreis dann bewege. Zudem könnten sich andere Kosten wegen dem Iran-Krieg erhöhen, etwa für Energie, Verpackung oder Transport.

Neues Aktienrückkaufprogramm

Lindt & Sprüngli wird seine Gewinnmargen verteidigen wollen. Der Betriebsgewinn (Ebit) ist im Geschäftsjahr 2025 erneut deutlich gestiegen, um 10 Prozent auf 971 Millionen Franken. Bei einem Umsatz von 5,9 Milliarden Franken ergibt sich eine Ebit-Marge von 16,4 Prozent.

Die Firmenführung erachtet die Finanzlage für so solide, dass sie eine Erhöhung der Dividende um 20 Prozent vorschlägt sowie ein neues Aktienrückkaufprogramm über 1 Milliarde Franken bis 2029 auflegt. Normalerweise sorgen solche Neuigkeiten für steigende Aktienkurse. Bei Lindt & Sprüngli hat jedoch die überraschende Korrektur der Geschäftsprognose alles überschattet.


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