Mit Drohnen und ballistischen Raketen greift Iran amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten an. Satellitenbilder zeigen, dass dabei Radarstellungen und Antennen ins Visier genommen werden.
Seit Beginn des Krieges feuert Iran nicht nur nach Israel Raketen, sondern auch auf Staaten der Arabischen Halbinsel. Billigen iranischen Drohnen und Raketen stehen dort millionenteure Abwehrraketen der Amerikaner gegenüber. Um die Flugabwehr zu schwächen, greift Irans Militär gezielt Kommunikations- und Radaranlagen an. Es sind nicht nur teure Ziele – sondern militärisch auch sehr wertvolle. Die NZZ hat anhand von Satellitenbildern vier Orte verifiziert, die mögliche Schäden an solchen Anlagen zeigen.
Satellitenantenne beim Hafen von Manama in Bahrain
Wie ein Greifvogel kippt die Drohne im Flug nach unten. Fast senkrecht stürzt sie sich auf die weisse Kuppel in Manama, der Hauptstadt von Bahrain. Unterhalb der ballonförmigen Hülle, dem sogenannten Radom, liegt das Zielobjekt der Drohne: eine Antenne mit mehr als 12 Metern Durchmesser, die aussieht wie eine überdimensionierte Satellitenschüssel.
Was hier angegriffen wird, dient der militärischen Satellitenkommunikation der USA. Wenn das Militär Befehle an amerikanische Soldaten in aller Welt sendet, empfangen diese Anlagen die Signale. Dass eine einfache Kamikazedrohne die Anlage überhaupt erreichen und dann auch noch treffen konnte, ist bemerkenswert. Im Video ist keinerlei Flugabwehr zu hören oder zu sehen, also etwa Schüsse oder anfliegende Raketen. Dabei ist auf dem Gelände die Fünfte Flotte der USA stationiert. Ihre Schiffe hatten den Hafen jedoch schon vor den Angriffen verlassen.
Frühwarnradar in Katar
Nur wenig deutet im Satellitenbild darauf hin, dass hier ein iranischer Angriff stattgefunden hat. Sam Lair, Experte für Satellitenbild-Analyse am James Martin Center for Nonproliferation Studies (CNS), ist sich jedoch sicher: Hier, im Herzen Katars, wurde ein hochmodernes Frühwarnradar attackiert.
Das Radar erkennt anfliegende Raketen teilweise schon aus einer Entfernung von mehreren tausend Kilometern. Zeit ist im Falle eines Angriffs ein entscheidender Faktor: Je früher feindliche Flugkörper erkannt werden, desto mehr Gelegenheit bleibt der Flugabwehr, um das richtige Gegenmittel zu finden. Wie stark das gezeigte Radar bei dem Angriff beschädigt wurde, lässt sich anhand der Aufnahmen nicht sagen.
Klar ist jedoch: Von dem Radartyp gibt es weltweit nur etwa ein halbes Dutzend. Die USA verteidigen auch ihren eigenen Luftraum mit solchen Radaren. Im Jahr 2013 hatte Katar die gezeigte Anlage von den USA gekauft. Mit allen Zusatzkosten wie Ersatzteilen, Ausbildung und technischem Support belief sich der Preis damals auf etwa 1,1 Milliarden Dollar.
Luftwaffenbasis al-Udeid in Katar
Auch die Luftbasis al-Udeid, die grösste amerikanische Luftwaffenbasis im Nahen Osten, wurde zum Ziel iranischer Angriffe mit ballistischen Raketen. Ende Februar waren hier etwa zwei Dutzend Tank- und Transportflugzeuge stationiert. Entsprechend schützenswert ist aus amerikanischer Sicht die Basis. Zwar überwachen Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot das riesige Areal. Dennoch wurde etwas getroffen: Mitten in der Basis, auf rund einer Hektare Fläche, stehen mehr als zwei Dutzend Antennen und Radome. Im Satellitenbild ist hier ein dunkler Fleck zu erkennen, vermutlich die Folge einer Explosion.
Bei Gegenangriffen im Juni 2025 hatte Iran hier eine andere, grössere Radarkuppel zerstört, die sich nur wenige hundert Meter entfernt befand. Erstaunlich ist, was bei den Angriffen im Juni und vor wenigen Tagen unversehrt blieb: Die Landebahn zeigt bis heute keine grösseren Schäden.
Flugabwehrsystem Thaad in al-Ruwais, Vereinigte Arabische Emirate
Sie sehen aus wie grosse Wohnwagen, sind aber ungleich wertvoller: die Radaranlagen des Flugabwehrsystems Thaad. Eine moderne Anlage zur Flugabwehr wie Thaad besteht aus drei Komponenten: einem Radar zur Erkennung anfliegender Objekte, einem Feuerleitstand, in dem Soldaten den Abschuss kontrollieren, und mehreren Abschussrampen mit Lenkflugkörpern. Das Radar ist also gewissermassen das Auge der Flugabwehr. Wird es zerstört, helfen alle Raketen nichts.
Ein Satellitenbild des Anbieters Planet deutet darauf hin, dass in al-Ruwais im Westen der Vereinigten Arabischen Emirate eine solche Anlage zum Ziel geworden sein könnte. Zwar sind der niedrigen Auflösung wegen nur dunkle Flecken am angrenzenden Gebäude zu erkennen. Die jedoch sind neu, sie kamen zwischen dem 28. Februar und dem Mittag des 1. März hinzu. Im hochauflösenden Bildausschnitt vom August 2025 stand an dieser Stelle, wo nun Zerstörung zu sehen ist, das Radar.

