Der Flugkonzern hat das Wachstum und die Passagierzahlen 2025 gesteigert, 2026 will er vor allem im Verkehr mit den USA und Indien zulegen. Die Tochter Swiss stagniert, bleibt aber besonders profitabel. Ein Ergebnis macht den Konzernchef Carsten Spohr besonders stolz.
Blick nach vorn: Pressekonferenz der Lufthansa in Frankfurt.
Joaquim Ferreira / Imago
Zu Beginn gibt es zuerst einmal einen Film. Flugzeuge starten und gleiten durch die Wolken, Bordpersonal lächelt freundlich, Passagiere sitzen zufrieden in ihren Sesseln. Meistens in Farbe, teilweise in Schwarz-Weiss. Die von Streichermusik unterlegten Bilder sollen daran erinnern, dass 2026 für die Lufthansa ein ganz besonderes Jahr ist. Im Januar vor hundert Jahren nahm ein Unternehmen mit diesem Namen seinen Betrieb auf, im April startete sein erstes Flugzeug. Das Jubiläum soll kein Anlass für eine ausgelassene Party sein. Aber doch für Zuversicht.
Die will Carsten Spohr im Hangar One verbreiten. Vor der gigantischen Glasfront des neuen Konferenz- und Besucherzentrums blickt der Konzernchef zurück auf das vergangene Jahr, aber vor allem nach vorne. Was sich dort abzeichnet, stimmt ihn optimistisch: Der Flugverkehr wächst.
Die Eskalation in der Golfregion belastet die Lufthansa, eröffnet ihr aber auch Chancen. Und die schmerzhafte Umstrukturierung der vergangenen Jahre zeigt Wirkung, dieses Jahr dürfte sie sich so richtig auszahlen. Alle Treiber zusammen sollen die Lufthansa letztlich wieder dorthin befördern, wo sie ihrem Selbstverständnis nach hingehört: in die erste Reihe der deutschen Konzerne.
Ein Dämpfer von der Deutschen Börse
Am Mittwochabend hatte die Deutsche Börse diesen Ambitionen allerdings einen leichten Dämpfer verpasst. Da teilte sie mit, dass der Aktienindex DAX, der die 40 wichtigsten in Frankfurt börsennotierten Unternehmen abbildet, für die nächsten Monate unverändert bleibt. Die Lufthansa hatte dem DAX vom Start 1988 bis zum Corona-Einbruch im Jahr 2020 ununterbrochen angehört, und zeitweise sah es so aus, als könne sie den Platz des digitalen Modehändlers Zalando ergattern. Man sei «dicht dran» gewesen, sagt der Finanzvorstand Till Streichert. «Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.» In den nächsten Quartalen böten sich neue Chancen.
Die drängen sich derzeit nicht unmittelbar auf. Seit der Eskalation des Konflikts am Golf ist der Aktienkurs der Lufthansa um mehr als 10 Prozent gefallen. Kaum eine Branche sei «so unmittelbar und direkt betroffen» wie die Luftfahrt, sagt Spohr, man habe sich jedoch «deutlich resilienter» aufgestellt als noch vor einigen Jahren. «Die Branche wächst und wächst und wächst, obwohl die Welt immer konfliktreicher wird», meint der Lufthansa-Chef.
Derzeit habe die Linie zehn «Rückführungsflüge» vereinbart, um Menschen aus der Krisenregion zu holen. Wie angespannt die Lage dort ist, wird während des Gesprächs deutlich. Spohr erreicht eine Nachricht, dass ein geplanter Flug in die saudische Hauptstadt Riad in Kairo gelandet ist und sein ursprüngliches Ziel aus Sicherheitsgründen nicht mehr ansteuern wird.
Direktflüge nach Asien und Afrika
Die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen des Konflikts sollen begrenzt bleiben. Natürlich sei er spürbar, viele Ziele fliege der Konzern deshalb nicht an, und die höheren Treibstoffpreise seien eine Belastung. Aber man sei besser abgesichert als die meisten Wettbewerber. Und die Nachfrage nach Direktverbindungen nach Asien und Afrika sei sprunghaft gestiegen, die Lufthansa reagiere darauf mit zusätzlichen Flügen, unter anderem nach Singapur, Schanghai und Kapstadt.
Womöglich könne der Konzern auch dauerhaft davon profitieren, wenn sich das Nachfrageverhalten ändere. Der Konflikt zeige schliesslich, wie gefährlich abhängig der globale Flugverkehr von Drehkreuzen in der Golfregion wie Dubai und Abu Dhabi sei. Dort ansässige Konkurrenten wie Etihad und Emirates seien vom Krieg nun weit stärker betroffen als der deutsche Anbieter. Spohr appellierte an die Politik, die aus seiner Sicht gravierende Benachteiligung europäischer Fluggesellschaften im Wettbewerb mit den Linien vom Golf zu beenden.
Die Ziele für 2026 will Spohr deshalb nicht infrage stellen. Die Ergebnisse sollen dann einiges besser ausfallen als in jüngerer Zeit. 2025 hat der Konzern seinen Umsatz um 5 Prozent auf knapp 40 Milliarden Euro gesteigert, auch bei der Passagierzahl (135 Millionen) und dem operativen Gewinn (2 Milliarden Euro) ging es nach oben.
«Wir müssen aber profitabler werden», sagte Spohr. Fortschritte seien jedoch unübersehbar, so komme der Konzern bei der Modernisierung seiner Flotte deutlich voran. Ein Erfolg machte Spohr besonders stolz: Die Lufthansa habe ihre «operative Stabilität wiedergewonnen», sagte er. Sie sei so pünktlich und zuverlässig geflogen wie letztmals vor mehr als zehn Jahren. Das schlug sich direkt in den Zahlen nieder: Zahlungen an Passagiere wegen Verspätungen und anderer Ärgernisse fielen für die Gesellschaft 2025 um mehr als 360 Millionen Euro niedriger aus als im Jahr davor.
Wachsen will die Lufthansa durch den Ausbau der Langstreckenflotte. Regional sieht Spohr hier Chancen vor allem im Verkehr mit Indien und den USA. Buchungen aus Europa in die Vereinigten Staaten hätten sich zwar reduziert, in die andere Richtung hätten sie aber dafür deutlich angezogen. Profitieren soll die Linie auch vom «Modernisierungsschub»: Neue Maschinen verbrauchten weniger Treibstoff und müssten seltener gewartet werden. Und das neue Designkonzept «Allegris» soll lange Reisen für Passagiere angenehmer gestalten.
Bei der Swiss heisst das neu gestaltete Innere «Swiss Senses». Bei der Schweizer Tochter blieb der Umsatz vergangenes Jahr mit knapp 6,5 Milliarden Euro stabil, der Gewinn reduzierte sich von 815 auf 630 Millionen Euro. Grund für den Rückgang waren gestiegene Aufwendungen für Gebühren und Personal. Mit einer Marge von 9,3 Prozent war die Swiss dennoch deutlich profitabler als die anderen Marken. Bei den Linien der Marke Lufthansa lag der Wert gerade einmal bei 0,9 Prozent.
Hinweis: In einer früheren Version war von der Tochter «Swissair» die Rede. So hiess die Fluggesellschaft bis zu ihrer Insolvenz 2001.

