Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:
Es war eine sehr volatile Börsenwoche, in der es zu erneuten kräftigen Kurseinbrüchen im Finanzsektor kam. Die Sorgen um Finanzinvestor Blue Owl wurden weiter angeheizt und inzwischen werden alle halbwegs negativen Entwicklungen in der Branche als Katastrophenmeldungen in den Äther geschickt, wo sie auf fruchtbaren Boden fall und zu noch mehr Unsicherheit und bisweilen Panik führen. Das Dumme daran ist, dass die Argumente der “Doomer” nicht total verkehrt klingen und da sie unsere Existenzängste ansprechen, werden sie einfach geglaubt.
“Panikmache ist eine wunderbare Verkaufsmasche. Aber er ist eine grottenschlechte Investmentstrategie.“
(Ben Carlson)
Ist leicht an den Klickhitlisten bei YouTube zu erkennen, wo die Crash-Propheten alle vorderen Plätze einnehmen. Wer nachdenkt und/oder recherchiert kommt allerdings schnell drauf, dass ein Blick auf den Langfristchart des S&P 500 (oder des Dow Jones oder des DAX) dem Panikzauber schnell das Wasser abgräbt. Denn langfristig steigen Aktien um 10 % pro Jahr – und das inklusive aller Börsencrashs und Korrekturen. Die Doomer liegen zwar auch mal richtig, aber dann eben nur für einen überschaubaren Zeitraum. Danach übernehmen wieder die Bullen die Regie. Doch bis dahin erleiden die Optimisten erstmal Kursverluste und müssen den Bärentanz überstehen. Mal nur ein paar Wochen, mal Monate und manchmal sogar jahrelang. Wie lange die Bären Oberwasser haben, weiß man immer erst hinterher.
Ich will aber gar nicht behaupten, dass er hier “nicht zu sehen” gäbe. Die Anzahl der Kreditkartenschulden, die nicht mehr völlig bedient werden könne, ist in den USA weiter deutlich angestiegen. Und auch die Ausfälle im Bereich “Private Credit” steigen. Hier verspüren auch die Business Development Companies (BDCs) Einschläge und die Anleger reagieren mit panisch-kurzer Lunte.
Viele haben sich von den hohen Dividendenrenditen blenden lassen und diese als stetige Einnahmequelle verbucht. Und damit das Geschäftsmodell und die Zyklik der BDCs verkannt. Dabei ist das Basiswissen!
Und doch ist dies kein (!) Grund zur Panik, denn das ist der normale Zyklus im BDC-Sektor, der zudem bereits seit längerer Zeit absehbar gewesen ist. Ich hatte vor einem halben Jahr ausführlich die Entwicklungen beleuchtet und dargelegt, weshalb der Sektor für mich – erstmal – nicht attraktiv war. Und auch (noch) nicht ist.
Aber keine Sorge, damit will ich mir nicht auf die Schulter klopfen. Denn eine meiner Schlussfolgerungen war (und ist weiterhin!), dass man mit den Muttergesellschaften der BDCs, als den Alternativen Asset Managern, deutlich besser fährt. Tja, was soll ich sagen? Genau so ist. Und auch nicht.
Ein Widerspruch, klar. Und hier zeigt sich der Unterschied zwischen Wert und Preis einer Aktie. Operativ läuft es bei den Finanzinvestoren ziemlich gut, die Mittelzuflüsse und damit die Assets under Management (AuM) sind hoch und ebenso auf Rekordniveau wie daraus generierten Managementprovisionen. Aber… die Kurse sind dennoch um 30% oder 40% eingebrochen seit Anfang 2024. Und in dieser Dimension habe ich das natürlich nicht erwartet, sondern hätte ich meine Positionen deutlich(er) reduziert.
Und obwohl (nicht etwas weil) ich mit meiner Einschätzung bisher falsch liege, bin ich von ihr überzeugt. Die KKR-Aktie ist für mich bei 100 Euro ein klarer mittel- und langfristiger Kauf. Und das gilt jetzt bei 75 Euro umso mehr. Auch wenn die Stimmung im Finanzsektor sich nochmals weiter deutlich eingetrübt hat. Das meiste davon ist übertrieben, aber natürlich gibt es auch handfeste Probleme. So kam gestern die Meldung über die Ticker, dass sich Market Financial Solutions unter staatliche/gerichtliche Verwaltung gestellt hat – eine Insolvenz ist das wohl nicht, wird aber vom Markt ähnlich gewertet. MFS ist im britischen Hypothekenmarkt aktiv und stellt dort kurzfristige Finanzierungen (Brückenfinanzierungen) zur Verfügung. So richtig klar sind die Vorgänge nicht, selbst wenn man verschiedene Quellen studiert. Das familiengeführte Unternehmen selbst spricht von wirtschaftlichen Problemen, die News deuten doppelte Verpfändung von Sicherheiten an, was für mich nach Kreditbetrug klingt – und das ist keine Kleinigkeit. Es dürfte in den nächsten Tagen wohl mehr Infos geben und vielleicht auch mal solche, wo Kenner der Materie was beisteuern und nicht nur Agentur-Nachwuchs, der aus halbseidenen Quellen Infos zu einer entsprechend “rund klingenden” Meldung zusammenbastelt. Und dabei ähnlich klingende, aber inhaltlich grundverschiedene Begriffe munter durcheinanderwirbelt.
Rauslesen kann man bisher jedenfalls, dass Atlas SP (eine Tochter von Apollo Global), Barclays und Jefferies Kredite zur Refinanzierung von MFS zur Verfügung gestellt haben. Konkreter wird da niemand, insbesondere nicht, ob man auch Eigentumsanteile hält und/oder ob man ggf. am Verkauf von MFS-Krediten an Investoren beteiligt war. Also ist irgendwie alles Relevante unklar. Abgesehen davon, dass es die Eigentümer vom MFS und die Kreditgeber am Ende Geld kosten wird. Also auch die Apollo-Tochter Atlas SP. Wie viel, bleibt abzuwarten. Unschöne Sache, aber vom Volumen her eher eine kleinere Hausnummer.
Ich will das Thema aber nicht endlos strapazieren: die Börse hat Panik bzgl. der Finanzunternehmen, weil es mehrere unterschiedliche Problemfelder gibt, die keiner richtig bewerten kann, und daher werden die Aktien aus den Depots geworfen. Und weil die Kurse fallen, werden weitere Stopps gerissen und damit weitere Verkäufe ausgelöst – die die Kurse weiter drücken. Das geht solange weiter, bis es irgendwann einfach aufhört. Und dieser Zeitpunkt fällt selten nie mit einem Stimmungsumschwung oder einer sich verbessernden Nachrichtenlage zusammen. Die Panikpatienten haben irgendwann alle verkauft und es gibt bei jedem Verkauf auch einen Käufer – und die Käufer wussten, was sie tun und haben keinen Grund, zu verkaufen. Also fängt sich der Kurs, dreht sich und beginnt wieder zu steigen. Das zieht wieder mehr Käufer an und der Kurs steigt weiter. In der Rückschau sagen alle “war ja klar”. Und keiner hat Geld verloren. Außer mir natürlich, denn ich hab euch ja heute (und die letzten Wochen und Monate) schon davon berichtet. ツ
Übrigens… KKR findet sich zum zweiten Mal auf meiner Beobachtungsliste wieder, nachdem ich beim ersten Versuch irgendwann die Segel gestrichen hatte, da die damalige Rechtsform L.P.(Limited Partnership) zu ständigen Stornobuchungen seitens des deutschen Finanzamts führte, teilweise sogar für mehrere Jahre rückwirkend. Nachdem KKR zu einer C-Corp. umfirmiert hat, bin ich im Mai 2018 wieder als Aktionär eingestiegen. Und… trotz der massiven Einbrüche seit Anfang 2024 steht die Aktie noch immer mit 325% im Plus und bringt es auf eine durchschnittliche Jahresrendite von 20,4%. Besser als Buffett!
Solche Drawdowns gehören an der Börse dazu, die passieren allen Unternehmen mal, auch Amazon, Apple, Alphabet, Microsoft, Siemens, Walmart, usw. usf. Wenn das Business weiterhin schnurrt und “nur” der Kurs niedergeknüppelt wird, sollten man sich als Langfristanleger nicht aus seinen Unternehmen verscheuchen lassen.
“Der Schlüssel zum Geldverdienen mit Aktien liegt darin, sich nicht aus ihnen vertreiben zu lassen.“
(Peter Lynch)
