Der Krieg gegen Iran hat den Ölpreis nach oben getrieben. Und dort wird er vorerst bleiben. Die Gründe liegen in der Logik des Seekriegs.
Dieses Foto wurde vom US-Verteidigungsministerium veröffentlicht. Die Aufnahme stammt demnach vom 4. März und zeigt das iranische Kriegsschiff IRIS «Dena» nach seiner Torpedierung im Indischen Ozean, festgehalten aus der Periskop-Sicht eines amerikanischen U-Bootes.
Department of Defense via Reuters
Die IRIS «Dena» ist im Periskop des U-Boots gut auszumachen. Ihre Aufbauten ragen hoch über den Indischen Ozean, als sie von einer heftigen Explosion aus dem Wasser gehoben wird. Kurz darauf stürzt sie ins Meer zurück und zerbricht. Von den 180 Seeleuten an Bord der iranischen Fregatte werden 87 tot geborgen. 32 können gerettet werden. Die restlichen Soldaten gelten als vermisst.
Es ist der sechste Tag der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran, als vor der Küste von Sri Lanka ein U-Boot der US Navy einen Torpedo auf die «Dena» feuert. Sie befindet sich auf dem Heimweg von einer Flottenparade in Indien. Die etwa hundert Meter lange, vor gut fünf Jahren in Dienst gestellte Fregatte ist mit Flug- und Schiffsabwehrraketen sowie mit Torpedos bewaffnet.
Die Versenkung der «Dena» ist Teil einer grösseren maritimen Operation, die seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran am 28. Februar geführt wird. Inzwischen sind grosse Teile der iranischen Flotte gesunken, zerstört oder nicht mehr einsatzfähig.
Gemäss US-Angaben geht es um mehrere Dutzend «neutralisierte» Schiffe und Boote. Öffentlich bestätigte Fälle betreffen vor allem Fregatten, Korvetten oder Hilfsschiffe wie die «Shahid Mahdavi». Das ist ein umgebautes Containerschiff der Revolutionswächter, das als mobile Basis für Drohnenstarts und ballistische Raketen diente.
«Operative Neutralisierung»
Viele Informationen über Versenkungen und Zerstörungen stammen aus amerikanischen Militär-Briefings, Satellitenbildern oder Analysen in westlichen Fachjournalen sowie aus englischsprachigen Medien. Eine vollständige Liste der Verluste existiert bis jetzt nicht.
Besonders schwierig ist die Bewertung der Ausfälle bei den Schnellbooten der Revolutionswächter. Die mit kaum einer Handvoll Soldaten besetzten Boote sind ein wesentlicher Teil der asymmetrischen Strategie Irans im Persischen Golf. Die Amerikaner bombardierten mehrere Stützpunkte der Revolutionswächter an der Küste. Analysten sprechen von erheblichen Schäden an Booten und Infrastruktur. Doch von einer vollständigen Vernichtung kann derzeit nicht die Rede sein, eher von einer «operativen Neutralisierung» dieser Kräfte.
Das ist strategisch wichtig. Es sind unter anderem diese Schnellboote, mit denen Iran den Tankerverkehr im Golf mutmasslich weiterhin stören kann. Aufgrund ihrer geringen Grösse lassen sie sich aus der Luft und auf dem Radarschirm nur schwer ausmachen. Dennoch ist die amerikanische Stossrichtung klar: Mit den Angriffen auf die Flotte der konventionellen Marine und der Revolutionswächter soll Iran die Fähigkeit verlieren, die Strasse von Hormuz zu bedrohen.

Aufnahme vom Deck des Flugzeugträgers USS «Abraham Lincoln» vom 3. März 2026. Zu sehen sind F/A-18F Super Hornets der US Navy. Wo genau das Bild entstand, ist unklar. Aber die «Abraham Lincoln» befindet sich seit Tagen im Seegebiet um Iran.
US Navy / Imago
Die Meerenge zwischen Iran und Oman gehört zu den empfindlichsten Nadelöhren der Weltwirtschaft. Es sollen bis zu 20 Millionen Barrel Rohöl und Erdölprodukte sein, die dort täglich mit Tankern transportiert werden. Das entspricht etwa einem Fünftel des global gehandelten, auf dem Seeweg transportierten Öls. Eine Blockade der Meerenge wirkt sich sofort massiv auf Energiepreise, Transportketten und die weltweiten Finanzmärkte aus. Die Folgen lassen sich bereits seit Tagen an den Tankstellen sehen. Die Preise für Benzin und Diesel liegen dort inzwischen bei deutlich über zwei Euro pro Liter.
Grösste Flottenkonzentration seit Jahrzehnten
Deshalb richteten sich die amerikanischen Angriffe jüngst gegen jene Systeme, mit denen Iran den Verkehr in der Seestrasse blockieren könnte: Kriegsschiffe, U-Boote, Stellungen für Anti-Schiff-Raketen und Drohnenplattformen zur See. Parallel dazu bauen die USA und andere westliche Länder in der Region eine der grössten Flottenkonzentrationen der vergangenen Jahrzehnte auf. Im Golf von Oman und im östlichen Mittelmeer operieren derzeit mehrere Flugzeugträgergruppen, darunter die USS «Abraham Lincoln» und die USS «Gerald R. Ford» sowie der französische Flugzeugträger «Charles de Gaulle».
Doch es könnte sein, dass nicht nur strategische Plattformen wie Flugzeugträger, sondern bald auch andere Schiffe, etwa Minensuchboote, Schnellboote und Korvetten für küstennahe Gewässer, für den Schutz der Strasse von Hormuz wichtig werden. Das liegt daran, dass dieses Seegebiet ein enger Korridor mit hoher Verkehrsdichte ist. Wenn die USA und ihre Verbündeten ihn kontrollieren wollen, müssen sie dauerhaft verhindern, dass Minen, Küstenraketen, Drohnen, Mini-Schnellboote oder Mini-U-Boote den Verkehr stören.
Die Strasse von Hormuz weist an ihrer schmalsten Stelle eine Breite von 33 Kilometern auf. Selbst wenn es den USA gelingen sollte, alle iranischen Küstenbatterien und Drohnenabschussrampen zu zerstören, haben die Iraner noch eine wirksame Waffe in der Hinterhand. Schon die plausible Drohung mit Seeminen kann Tanker aufhalten, Schiffsversicherungen verteuern, Konvois und deren aufwendigen militärischen Schutz erzwingen.
Iran muss die Strasse von Hormuz nicht hermetisch abriegeln, um einen strategischen Effekt zu erzeugen. Minen sind billig, flexibel, schwer aufzuklären und militärisch oft schon dann wirksam, wenn sie nur Unsicherheit erzeugen. Die Herausforderung liegt darin, bei der Räumung alle Minen zu finden. Dazu brauchen die Amerikaner und ihre Verbündeten vor allem Minensuch- und Minenabwehrschiffe. Allerdings hat das amerikanische Zentralkommando in der Nacht auf Mittwoch gemeldet, in der Nähe der Strasse von Hormuz 16 iranische Minenleger-Schiffe zerstört zu haben. Mit diesem Präventivschlag will man offensichtlich einer Blockade der Seestrasse durch Minen zuvorkommen. Ob die iranischen Möglichkeiten damit komplett unterbunden sind, ist nicht klar.
Es reichen Warnungen, um die Seestrasse zu blockieren
Eine weitere Bedrohung der Schifffahrt sind iranische Drohnen. Anfang März reklamierten die Revolutionswächter einen Drohnenangriff auf den griechischen Öltanker «Athe Nova» in der Strasse von Hormuz für sich. Das Schiff sei in Brand geschossen worden, weil es «im Einklang» mit den USA gehandelt habe, teilten sie damals mit. Eine unabhängige Bestätigung für die Attacke gibt es nicht.
Allerdings reichen Behauptungen wie diese, um den Schiffsverkehr in der Strasse von Hormuz weitgehend zum Erliegen zu bringen. Das Nadelöhr muss nicht physisch blockiert werden. Es reichen Warnungen und Funksprüche der Iraner, wonach den Schiffen Angriffe drohen, wenn sie in die Seestrasse einfahren.
Dieser Zustand dürfte wohl noch länger andauern. Der Persische Golf ist eine Sackgasse. Es gibt nur einen Weg hinein und hinaus: die Strasse von Hormuz. Für Handelsschiffe gibt es keine Ausweichroute. Sie müssen warten, bis der Krieg vorbei ist oder bis die USA und ihre Verbündeten die Sicherheitslage auf den Meeren der Region unter Kontrolle haben.
Gesamte Küste nicht kontrollierbar
Das ist eine schwierige Aufgabe. Die USA mögen die iranischen Kriegsschiffe und U-Boote ausgeschaltet haben. Sie können aber kaum die gesamte, gut 2400 Kilometer lange Küste am Persischen Golf und im Golf von Oman kontrollieren. Dazu müssten sie Bodentruppen schicken, die verhindern, dass Drohnen, Raketen oder Mini-Schnellboote von Land aus gestartet werden.
Vor allem die kleinen Schnellboote sind seit Jahrzehnten die Waffe der Revolutionswächter zur See, bemannt mit kaum einer Handvoll Soldaten und mit Granat- und Raketenwerfern sowie Maschinengewehren bewaffnet. Gemäss Berichten soll ihre Anzahl bei mehreren hundert bis über tausend liegen. Die Gefahr eines iranischen Krieges der Nadelstiche und Störungen in der Strasse von Hormuz besteht also nach wie vor.

Schnellboote der iranischen Revolutionswächter im April 2024 im Persischen Golf. Diese Boote sind unter anderem mit Maschinengewehren und Raketen ausgerüstet.
Rouzbeh Fouladi / Imago
Zudem ist nicht nur die Strasse von Hormuz ein Nadelöhr des globalen Schiffsverkehrs in der Region. Auch im Roten Meer drohen der kommerziellen Seefahrt durch die mit Iran verbündeten Huthi grosse Gefahren. Immer wieder kam es in den vergangenen anderthalb Jahren zu Angriffen auf Frachter mit Drohnen, Raketen und unbemannten Booten. Seit Februar 2024 versucht die EU, die Lage mit Kriegsschiffen der Mission «Aspides» in den Griff zu bekommen. Doch wiederholt konnten die Huthi Schiffe versenken, zahlreiche Seeleute starben.
Explodierende Spritpreise
Die Entwicklungen in der Strasse von Hormuz sind sowohl für die globale Öl- und Gasversorgung als auch für die Containerbranche eine ökonomische Katastrophe. Deutschland trifft es als eine der grössten Schifffahrtsnationen besonders. Rund 290 Reedereien in der Bundesrepublik betreiben mehr als 1700 Schiffe im weltweiten Einsatz. Derzeit sollen 30 deutsche Schiffe, darunter 2 Kreuzfahrtschiffe, im Persischen Golf festsitzen.
Für ein vom globalen Seehandel abhängiges Land wie Deutschland hätte eine lang andauernde Krise im Nahen Osten massive ökonomische Auswirkungen. Umso mehr müsste Deutschland ein Interesse haben, die Seewege offen zu halten. Doch der deutschen Marine fehlen die Kapazitäten.
Gegenwärtig ist sie mit keinem einzigen Kriegsschiff im Roten Meer präsent. Auch eine Beteiligung an einer möglichen Schutztruppe im Persischen Golf wird derzeit in Deutschland nicht diskutiert. Das Problem ist, dass die deutsche Marine ihre Schiffe vor allem in der Ost- und Nordsee braucht, um Russland abzuschrecken.
Tobias Suter
3 Empfehlungen
Auch massive militärische Kräfte können einen dummen und vor allem unüberlegten Krieg nicht „besser“ machen. Durch Strategielosigkeit und krass falsche Einschätzung des Gegners wird derzeit der Welt wieder einmal vor Augen geführt, wie wenig grosse Worte an solchen Dingen ändern können. Man wird gerade an Afghanistan, Iraq, Vietnam erinnert. Da können Trump & Co erzählen, was sie wollen.
Bei der Strasse von Hormus braucht es zudem nicht einmal eine eigentliche Blockade, es reicht schon alleine die Drohung und kaum ein Tanker fährt. Die Welt zittert und Trump und seine Gehilfen schwurbeln herum. Trump ist sich auch nicht zu blöd davon zu sprechen, man könne ja die Sanktionen gegen Russland aufheben und wieder Oel dort kaufen. Sein Buddy Putin wird die Korken knallen lassen und dieses Geschenk feiern. Trump kommt mir wieder einmal vor, wie eine ausser Kontrolle geratene „Cruise Missile“.

