Neue Schläge treffen die Schweizer Industrie. Alte Stärken sind gefordert.


Gerade noch keimte Optimismus, nun versetzt Donald Trump den Maschinen- und Anlagenbauern neue Schläge. Alte Stärken sind gefordert.

Schweizer Qualität hat es auf dem Weltmarkt nicht leicht: Detailaufnahme einer Verpackungsmaschine der Fabrik Netstal in Näfels.

Karin Hofer / NZZ

Das Licht am Ende des Tunnels kann ein entgegenkommender Zug sein, sagen Pessimisten. Manchmal haben die Pessimisten recht. Die Unternehmen der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) blickten erwartungsvoll dem Licht entgegen: Erstmals seit Mitte 2022 waren ihre Produktionsanlagen Ende 2025 wieder etwas besser ausgelastet. Auch die Umsätze zogen etwas an, und es kamen mehr Aufträge rein.

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Doch gefühlt ist das schon sehr weit weg: Wer jetzt noch Optimist ist, muss hart im Nehmen sein.

Trumps Kriege vergraulen die Kunden

Der amerikanisch-israelische Angriff auf Iran trifft mit der Golfregion einen relevanten Exportmarkt für die Schweizer Industrie. Doch das grössere Problem ist die erhöhte globale Unsicherheit, auch durch gestörte Lieferketten und steigende Energiepreise.

Auch der Handelskrieg der USA mit dem Rest der Welt, darunter der Schweiz, ist wieder ein Grund zur Sorge. Von Oktober bis Dezember 2025 lagen die MEM-Exporte in die weltgrösste Volkswirtschaft noch um 18 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Aber dann kam im Dezember die Zollvereinbarung.

Jetzt hat Trump neue Zölle verhängt, nachdem der Oberste Gerichtshof die alten für ungültig erklärt hatte. Das Problem ist nicht die Höhe, sondern wieder das erratische Momentum: Trump wird seine Zollpolitik mit allen Instrumenten verteidigen. Das schürt Unsicherheit darüber, was ihm als Nächstes einfällt.

Der Franken ist nicht mehr das grösste Problem

Unsicherheit ist für die Schweizer Industrie ein besonderes Problem. Die MEM-Branche stellt die Maschinen her, mit denen die Firmen in anderen Ländern ihre Waren produzieren. Die Schweizer Anlagen gehören zu den besten der Welt.

Doch erstens brauchen die Kunden Vertrauen in die Zukunft, um in Schweizer Maschinen zu investieren. Wer nicht glaubt, dass er mehr verkaufen wird, kauft selbst keine neuen Anlagen.

Zweitens äussert sich der Wunsch nach Sicherheit oft in einer Flucht in den Franken. Anfang Woche war ein Euro nur noch etwas mehr als 90 Rappen wert. Vor einem Jahr waren es 95 Rappen.

Das verteuert die Schweizer Waren im Ausland – oder zwingt die Unternehmen zu empfindlichen Preissenkungen. Doch Schweizer Qualität hat ihren Preis. Die Anlagen kosten schnell mehr als 1 Million Franken.

Zum Glück ist die Schweizer Industrie hart im Nehmen. Kontinuierliche Effizienzsteigerungen und Investitionen in die Produktivität haben sie widerstandsfähig gemacht. Als der Branchenverband Swissmem die Unternehmen im Januar über Hindernisse für eine Investition in der Schweiz befragte, war die Frankenstärke nicht mehr das grösste Problem. 2024 war das noch anders. Jetzt ist es die Absatzschwäche.

Besser eine spezialisierte Industrie als keine Industrie

Franken-Fitness zahlt sich aus. Das Geschäft der deutschen Anlagenbauer mit China leidet, weil die Deutschen sich laut Swissmem-Präsident Martin Hirzel auf den unterbewerteten Euro verliessen, um ihre Standardmaschinen im Reich der Mitte zu verkaufen. Dieser Support ist geschmolzen, seit der Euro im vergangenen Jahr zum Yuan an Wert zugelegt hat.

Die Schweizer Firmen modernisieren und automatisieren, ihre Produkte sind hochspezialisiert. Das bringt auch Nachteile mit sich: Vergangenes Jahr gingen 6600 Arbeitsplätze in der MEM-Industrie verloren. Jetzt bietet sie noch knapp 323 000 Jobs. Aber die Beschäftigungslage war schon einmal deutlich schlechter – und ohne die ständigen Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit wäre sie es wahrscheinlich längst wieder.

Zähne zusammenbeissen und weitermachen, das ist für die Industrie die einzige Option. Wer lange im Tunnel steckte und bis heute überlebt hat, weiss zumindest, was er tun muss.


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