Ölpreis über 100 Dollar – Iran-Krieg sorgt für weiteren Preisanstieg


Der Preis für Brent-Öl springt drastisch nach oben. Beim Iran-Krieg ist kein Ende in Sicht. Der Transit von Öl und Gas durch die wichtige Strasse von Hormuz liegt praktisch still. Die Börsen reagieren.

Seit Kriegsbeginn beläuft sich der Preisanstieg beim Brent-Rohöl inzwischen auf rund 50 Prozent.

Bing Guan / Reuters

(dpa)/koe. Der Ölpreis ist infolge des Iran-Kriegs erstmals seit Jahren wieder über die Marke von 100 US-Dollar gestiegen. Der Preis für die in Europa massgebliche Nordseesorte Brent stieg am Montag im frühen Handel zeitweise um rund 20 Prozent auf 111 US-Dollar je Barrel (159 Liter).

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Am Freitagnachmittag war Brent-Rohöl zur Lieferung im Mai noch mit über 90 Dollar gehandelt worden. Seit Kriegsbeginn vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich der Preisanstieg inzwischen auf rund 50 Prozent: Ende Februar waren noch um die 70 Dollar pro Barrel üblich. Auch die Spritpreise sind seither deutlich angestiegen.

Tiefer Einbruch der Märkte in Asien

Ein Anstieg des Ölpreises auf über 100 Dollar pro Fass hat in Asien die Angst vor einer Energiekrise gestärkt. Die Aktienmärkte brachen tief ein.
In Japan gab der Leitindex Nikkei-225 bis zur Mittagspause sieben Prozent nach, der koreanische Kospi bis dahin sogar acht Prozent.
In Singapur sackte der Straits-Times-Index in den ersten 15 Handelsminuten um 2,3 Prozent ab, der taiwanische Taiex um rund fünf Prozent.

«Die Finanzmärkte preisen eine mögliche Verschärfung der Lage in der Golfregion ein», urteilt Shingo Ide, Chef-Forscher am Nomura Research Institute. Die Tiefe des Falls spiegelt dabei bisher die Anfälligkeit der Volkswirtschaften für höhere Öl- und Gaspreise. Gerade die zwei ostasiatischen US-Verbündeten Japan und Südkorea, die besonders stark von den Anlegern abgewertet werden, hängen sehr stark von Öl aus der Golfregion ab.

Zwar haben die Länder grosse Reserven aufgebaut, in Japan sind es 254 Tage. Aber Morgan Stanley sah in einigen Sektoren dennoch eine Gefahr von Disruptionen, falls der Krieg lange andauern sollte. Japans Stromkunden müssen sich dabei vorerst kaum vor Engpässen und Preissteigerungen fürchten. Denn die Flüssiggasimporte sind stark diversifiziert. Nur ein kleiner Teil stammt aus der Golfregion. Zudem bestehen langfristige Lieferverträge zu festen Preisen.

Grössere Preisschübe erwarten die Analysten von Morgan Stanley allerdings bei Stadtgas, im Transportsektor und der Landwirtschaft, deren Kosten stark von Treibstoff und Dünger abhängt, der meist aus Gas hergestellt und importiert wird. Die ohnehin hohe und politisch brisante Inflation bei Lebensmitteln könnte sich daher verschlimmern, warnen die Experten.

Anstieg des Dollars verschärft die Krise

Verschärft werden die Probleme der Staaten noch durch den weiteren Anstieg des Dollars, der die Kosten der Importe in den Landeswährungen weiter erhöht. Gerade für Japan ist dies ein neues Phänomen, deren Währung früher bei Krisen meist stieg. Dies deutet an, dass die Anleger nach Jahren der Yen-Schwäche das Vertrauen in das Land als sicherer Hafen in Turbulenten Zeiten eingebüsst hat.
Der Finanzmarktspezialist Ide weist aber auch auf eine Chance durch die Kursstürze hin. «Obwohl das Potenzial für einen weiteren Rückgang weiterhin besteht, könnte dies eine günstige Gelegenheit sein, um eine schrittweise Aufstockung der Positionen mit einer ‹Buy on Dips›-Strategie in Betracht zu ziehen.»

Im frühen Handel in Chicago sprang auch die in den USA bestimmende Sorte West Texas Intermediate (WTI) über die Marke von 100 Dollar – ein Preisniveau, das es zuletzt 2022 gegeben hatte. Zeitweise stieg der Preis sogar auf 113 Dollar pro Barrel.

Trump: Geringer Preis für Sicherheit und Frieden

Die Angst vor einer längeren Sperrung der Strasse von Hormuz bleibt ein bestimmendes Thema auf dem Ölmarkt. Seit den amerikanisch-israelischen Attacken auf Iran und den iranischen Gegenangriffen passieren kaum noch Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Durch diese wird in Friedenszeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert. Sie ist auch sehr wichtig für den Transport von Flüssiggas, etwa aus Katar.

US-Präsident Donald Trump, für den steigende Spritpreise mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst und die Lebenshaltungskosten seiner Wählerschaft zum Problem werden könnten, versuchte, den Fokus auf die langfristige Entwicklung zu lenken: «Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt», behauptete er auf seiner Plattform Truth Social – und fügte dann in Grossbuchstaben hinzu: «NUR IDIOTEN WÜRDEN DAS ANDERS SEHEN!»

Katars Energieminister warnt

Ende vergangener Woche hatte Katars Energieminister Saad al-Kaabi in einem Interview der «Financial Times» vor schwerwiegenden Folgen des Kriegs im Nahen Osten für Lieferungen von Energierohstoffen aus der Region gewarnt. Es sei zu befürchten, dass alle Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion innerhalb weniger Wochen einstellen könnten. Dann wäre nach Worten des Ministers ein Anstieg des Ölpreises bis auf 150 US-Dollar möglich.

Aufgrund der faktischen Blockade der Meerenge von Hormuz gehen den Produzenten am Persischen Golf teils die Lagerkapazitäten aus. Kuwait hat seine Produktion laut Medienberichten bereits gedrosselt.


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