Pekings Kalkül: Wie China den Iran zugunsten der arabischen Golfstaaten opfert


Podcast «NZZ Geopolitik»

Im israelisch-amerikanischen Krieg gegen Iran verurteilt China die Angriffe scharf. Doch konkrete militärische oder politische Hilfe bleibt aus. Für Peking sind die wirtschaftlich stabileren und ölreicheren Golfstaaten deutlich wichtiger als der langjährige Partner Iran.

David Vogel

Chinas Kalkül am Golf: warum Peking Iran im Stich lässt

David Vogel mit Julia Gurol-Haller

04.03.2026

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In dieser Podcast-Episode:

Noch am Abend des ersten Kriegstages kam der Uno-Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung in New York zusammen. Dabei kritisierte der chinesische Botschafter den Angriff auf Iran in deutlichen Worten. Doch mehr passierte nicht. Diese Zurückhaltung sei keine Überraschung, sagt die Politikwissenschafterin Julia Gurol-Haller vom Hamburger Giga-Institut in der neuen Folge von «NZZ Geopolitik»: «Diese Zurückhaltung offenbart die wahren Prioritäten Pekings in der Region.»

Die Beziehungen zu den Golfstaaten wie Saudiarabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten seien für Peking von weitaus grösserer Bedeutung. Sie seien nicht nur stabilere Wirtschaftspartner, sondern auch bedeutendere Öllieferanten, so Gurol-Haller.

Gleichzeitig dient der Krieg gegen Iran China als lehrreicher Testfall. Das Versagen chinesischer Militärsysteme, auf die Iran zurückgreift, offenbart technologische Schwächen gegenüber westlichen Waffen – eine wichtige Erkenntnis mit Blick auf eine mögliche Taiwan-Invasion. Dennoch profitiere Peking geostrategisch davon, dass die USA im Nahen Osten gebunden seien, so Julia Gurol-Haller weiter: «Für China wird der Krieg zu einem Testfall der eigenen globalen Macht.»

Alle Episoden von «NZZ Geopolitik: das grosse Ganze verstehen» finden Sie in dieser Übersicht.

Was für ein illusionistischer Standpunkt: Die Waffen des Irans versagen nicht. Was versagt ist die Strategie der USA. Der Iran ist daran, die USA aus der Golfregion hinauszuwerfen mit direkter Hilfe von Russland. Und China steht als diskreter grosser Bruder sowohl hinter Russland im Ukrainekrieg als auch hinter dem Iran in seinem Krieg. Beide Kriege sind Kapitel im Niedergang der USA als Führungsmacht. Und in beiden folgt China dem dem Prinzip von Sun Tzu, wonach der grösste Feldherr gewinnt, ohne selber eine Schlacht zu schlagen.


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