Swiss-Rückholflug aus Oman: Tausende Schweizer müssen Evakuierung selbst organisieren


Der Iran-Krieg hat den Luftverkehr in der Region lahmgelegt. Der Bund arbeitet an Lösungen, Betroffene müssen die Rückreise in die Schweiz aber selbst organisieren.

Der Bund sieht sich bei Rückführungen nicht in der Pflicht.

Michele Limina / Bloomberg

Für 211 Passagiere der Swiss hat der Aufenthalt im Nahen Osten ein gutes Ende gefunden. Heute kurz nach 14.30 Uhr ist ihr vierstrahliger Airbus A340 in Zürich-Kloten gelandet. Es war ein Sonderflug der Schweizer Fluggesellschaft aus Maskat in Oman, einem Nachbarland Irans. Bis jetzt ist es der einzige Flug, mit dem die Schweiz die Evakuierung Ausreisewilliger aus dem Nahen Osten durchgeführt hat.

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Die Maschine war mit Schweizer Reisenden besetzt, die über die Reise-App des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) registriert waren. Zudem waren Passagiere an Bord, die bereits ein Flugticket hatten, aber die Rückreise nach Zürich wegen der gegenwärtigen Lage nicht antreten konnten. Der Luftraum im Nahen Osten ist wegen der Kriegshandlungen weitgehend gesperrt, die allermeisten Linienflüge sind annulliert.

Sonderflug: Initiative der Swiss

Am Mittwoch verwies Marianne Jenni vor Medien auf das Auslandschweizergesetz, wonach beim Thema Rückreise jeder Bürger und jede Bürgerin Eigenverantwortung übernehmen müsse. Jenni ist Direktorin der Konsularischen Direktion des EDA. Auf der Website der Behörde heisst es: «Das EDA führt keine organisierte Ausreise für Schweizer Staatsangehörige aus der Region durch.»

Gemäss Jenni sei die Organisation solcher Flüge wegen der sicherheitsrelevanten Situation und der Überflugsrechte nicht einfach. «Bleiben Sie dort, wo Sie sind», riet sie am Mittwoch deshalb den in der Region Verbleibenden. «Es ist frustrierend für die Reisenden vor Ort, dafür haben wir volles Verständnis», man arbeite an Lösungen.

Die Schweiz ist in Sachen Repatriierung ihrer eigenen Bürger zurückhaltend. LX 7043 war deshalb ein kommerzieller Flug ohne finanzielle Beteiligung der Eidgenossenschaft. «Wir haben den Flug auf eigene Initiative und Kosten organisiert», sagt ein Sprecher der Swiss auf Anfrage. Offizielle Rückholflüge habe es bisher nicht gegeben. Ein offizieller Auftrag des Bundes für Repatriierungen liege nicht vor. Man stehe aber im engen Austausch mit dem EDA.

Tausende stecken fest

Die von den Passagieren verlangten Ticketpreise für LX 7043 seien für die Swiss nicht kostendeckend gewesen. Man wollte mit dem Flug aber einen Beitrag leisten, um den Betroffenen in der schwierigen Situation zu helfen. Gemäss dem Sprecher seien zurzeit auch seitens Swiss keine weiteren Rückholflüge geplant. Man halte sich zwar bereit, könne aber keine Flugzeuge «auf Halde» halten.

Nach den amerikanischen und israelischen Angriffen auf Iran, die am letzten Samstag losgingen, halten sich in verschiedenen Golfstaaten weiterhin Tausende Schweizerinnen und Schweizer auf. Allein in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind gemäss EDA-Angaben 5200 wohnhaft, in Libanon 1000, in Israel sind es mehr als 25 000.

Diese haben derzeit keine Möglichkeit, auf direktem Flugweg in die Schweiz zurückzukehren. Gemäss Website der Swiss sind allerdings wegen der angespannten Lage alle Flüge nach Dubai bis und mit dem 10. März gestrichen, Flüge nach Tel Aviv werden bis zum 22. März ausgesetzt. Die Sicherheit von Besatzungen und Passagieren stünde an erster Stelle. Auch andere Airlines der Lufthansa-Gruppe – darunter Edelweiss, Austrian Airlines oder Eurowings – haben Flüge in die Region gestrichen.

Andere Länder fliegen ihre Bürger aus

Die Schweiz ist mit ihrer Zurückhaltung bei Rückführungen eigener Bürger ein Sonderfall. So ist am Donnerstag gemäss DPA der erste Evakuierungsflug der deutschen Bundesregierung aus der Krisenregion am Frankfurter Flughafen gelandet. Dieser kommt wie der Swiss-Sonderflug aus Oman. Gemäss dem deutschen Aussenminister Johann Wadephul sind weitere Flüge geplant. Die Franzosen haben am Donnerstag ebenfalls mit Rückführungen aus Dubai begonnen. Auch Italien fliegt seine Bürger aus.

Für den Flugverkehr ist Dubai ein wichtiger Knotenpunkt, der üblicherweise mehr als 1200 Flüge pro Tag abwickelt. Die Flugaktivität wurde auf sehr tiefem Niveau wieder aufgenommen. So bieten die Fluggesellschaften Emirates und Etihad Airways nun wieder eine begrenzte Anzahl von Flügen von Dubai und Abu Dhabi aus an. Diese erfolgen über die sicheren Luftkorridore der Vereinigten Arabischen Emirate. Gemäss einem Emirates-Sprecher soll es am Donnerstag und Freitag rund 100 Flüge geben.

Qatar Airways will ab heute Sonderflüge für gestrandete Passagiere von Maskat nach London, Berlin und Rom sowie von Riad nach Frankfurt durchführen. Das wären die ersten Flüge der Fluggesellschaft seit Kriegsbeginn. Schweizer dürfen sich also Hoffnungen machen, auf indirektem Weg und mit einer ausländischen Airline zurück in die Schweiz zu finden.

Für jene, die sich ferienhalber in Dubai oder Oman aufhalten, könnten die Flugausfälle unangenehme Folgen haben. Denn wer nicht rechtzeitig aus den Ferien zurückkehre, habe «Pech» und müsse die Konsequenzen selbst tragen, sagt Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht, dem Radio SRF. Die Fehltage würden nicht entlöhnt. Es sei die Pflicht jedes Einzelnen, rechtzeitig wieder zur Arbeitsstelle zu erscheinen. Wer jedoch aus beruflichen Gründen verreist sei und dem dort Mehrkosten anfielen, bekomme die Mehrkosten vom Arbeitgeber gedeckt.


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