Präsident Trump hat es Regierungsbehörden mit unverzüglicher Wirkung untersagt, Anthropics Produkte zu verwenden. Das Pentagon bekommt eine Übergangszeit von sechs Monaten. Alle Augen sind nun auf Open AI und Google gerichtet.
Zusammenfassung
Merken
Donald Trump spricht im Streit um die KI-Firma Anthropic ein Machtwort.
Elizabeth Frantz / Reuters
Präsident Donald Trump hat am Freitagnachmittag (Ortszeit) im Streit um die KI-Firma Anthropic ein Machtwort gesprochen: Er weise alle Bundesbehörden an, «umgehend» ihre Nutzung der KI-Systeme von Anthropic einzustellen, so postete Trump auf Truth Social. Dies kurz bevor eine von Kriegsminister Pete Hegseth gesetzte Frist für Anthropic auslief, bis zu der die KI-Firma ihre Nutzungsauflagen für Regierungsbehörden hätte aussetzen sollen.
«Die Vereinigten Staaten von Amerika werden niemals zulassen, dass ein radikal linkes, wokes Unternehmen diktiert, wie unser grossartiges Militär Kriege führt und gewinnt!», schrieb Trump. Dies obliege einzig ihm als Vorsitzendem der Streitkräfte und den von ihm eingesetzten Befehlshabern.
Er beschimpfte Anthropic als «linke Idioten» («left-wing nut jobs»), die den desaströsen Fehler begangen hätten, das Kriegsministerium erpressen zu wollen. Anthropic sei eine radikal linke KI-Firma, die von «Leuten geführt wird, die keine Ahnung haben, wie es in der echten Welt zugeht». Trump schrieb: «Wir brauchen es nicht, wir wollen es nicht, und wir werden nie wieder mit ihnen Geschäfte machen!»
In der zweiten Hälfte der Nachricht schrieb Trump dann allerdings, dass die Umstellung nicht sofort zu geschehen habe, sondern es für einige Behörden wie das Pentagon eine sechsmonatige Umstellungsphase geben werde. «Anthropic reisst sich besser einmal zusammen und hilft uns in dieser Phase, oder ich werde die geballte Macht des Präsidentenamtes nutzen, um sie dazu zu zwingen, mit bedeutenden zivilrechtlichen und kriminellen Konsequenzen.»
Kriegsminister Pete Hegseth kündigte kurz darauf an, dass Anthropic als Lieferkettenrisiko klassifiziert werde. Das bedeutet, dass keine Firma, die mit dem Pentagon zusammenarbeitet, die Dienste von Anthropic nutzen darf. Eine solch scharfe Designierung ist bis jetzt nur dem chinesischen Hardware-Hersteller Huawei oder der russischen Antivirusfirma Kaspersky zuteilgeworden. Sie dürfte schwere finanzielle Auswirkungen für Anthropic haben, und das wenige Monate vor dem Börsengang: Die Firma verliert damit den 200-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem Pentagon und unzählige andere Firmenkunden, die ihrerseits mit dem Ministerium zusammenarbeiten – von Amazon bis Palantir.
Anthropic berief jüngst einen Trump-Vertrauten in den Aufsichtsrat
Bereits seit Monaten spitzen sich die Spannungen zwischen Anthropic, der zurzeit führenden KI-Firma, und der amerikanischen Regierung zu. Die Firma aus San Francisco hatte als einzige Auflagen für die Nutzung ihrer KI erlassen und sich bis zuletzt geweigert, diese aufzuheben. Gleichzeitig zählt Anthropic zu den ganz wenigen amerikanischen Tech-Firmen, die nicht an Trumps Amtseinführung teilgenommen hatten und auch nicht an das entsprechende Komitee Millionenbeiträge gespendet hatten. Der CEO Dario Amodei hatte im Wahlkampf 2024 die demokratische Kandidatin Kamala Harris unterstützt und vor einer zweiten Präsidentschaft Trumps gewarnt. Die Firma beschäftigt auch verschiedene ehemalige Führungskräfte der Regierung Biden.
Jüngst hatte sich Anthropic um ein besseres Verhältnis zur Regierung Trump bemüht: Vor wenigen Wochen berief die Firma Chris Liddell in ihren Aufsichtsrat; Liddell war während Trumps erster Präsidentschaft stellvertretender Stabschef im Weissen Haus. Anthropic hatte ebenso kürzlich versucht, Investorengelder der Firma 1789 Capital aufzunehmen, die von Donald Trump junior mitgegründet wurde. 1789 Capital lehnte aber letztlich ab.
Das Pentagon bemüht sich nun darum, Alternativen zu Anthropics KI-System zu finden. Konkret ist man in Gesprächen mit Google, Open AI und xAI, der KI-Firma von Elon Musk. Open AI hatte am Donnerstag angekündigt, der amerikanischen Regierung die gleichen Nutzungsbedingungen aufzuerlegen wie Anthropic. «Das ist nicht mehr nur ein Problem zwischen dem Pentagon und Anthropic, sondern für unsere gesamte Industrie, und es ist wichtig, unsere Position klarzustellen», hatte Altman an seine Mitarbeiter geschrieben.
Googles Belegschaft verbreitete am Donnerstagabend ebenfalls eine Petition, in der man die Firmenleitung bittet, sich den Forderungen von Anthropic anzuschliessen, wie amerikanische Medien berichten. Es wäre das erste Mal, dass die Chefs der führenden KI-Firmen zusammenspannen und eine Grenze für die Verwendung ihrer Technologie ziehen.
Die KI-Firma von Elon Musk, xAI, dürfte dies kaum tun. Doch deren KI-System namens Grok gilt auch als weniger robust und zuverlässig als das der Konkurrenten. Wie das «Wall Street Journal» am Freitag berichtete, warnen mehrere Regierungsbehörden davor, wie unzuverlässig Grok sei und dass es ein inakzeptables Sicherheitsrisiko darstelle. Zwar hat xAI ebenfalls die Genehmigung, in streng vertraulichen Systemen des amerikanischen Militärs verwendet zu werden, so wie bisher nur Anthropic seit 2024. Doch inwiefern Grok bereits tatsächlich vom Militär verwendet wird, ist nicht bekannt.
Die grosse Frage wird nun sein, wie Open AI und Google auf den Eklat zwischen der amerikanischen Regierung und Anthropic reagieren werden.

